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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Selektive Inhibition von COX-2 reduziert das Trauma-induzierte mikrovaskuläre Perfusionsversagen durch die Verminderung der Entzündungsreaktion

Meeting Abstract

  • corresponding author J. Philippe - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar, Deutschland
  • M. Amon - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar, Deutschland
  • C. Meier - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar, Deutschland
  • Y. Harder - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar, Deutschland
  • B. Vollmar - Abteilung für Experimentelle Chirurgie, Universität Rostock, Rostock, Deutschland
  • M.D. Menger - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch4868

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch383.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Philippe et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das irreversible mikrovaskuläre Perfusionsversagen sowie eine persistierende Entzündungsreaktion traumatisierten Gewebes können Störungen der Wundheilung sowie lokale und systemische Infektionen verursachen. Durch selektive Inhibition der induzierbaren Cyclooxygenase-2 (COX-2) könnten solche Komplikationen möglicherweise verhindert werden. Das Ziel der hier vorgestellten Studie war daher zu klären, inwieweit NS-398, ein selektiver COX-2-Inhibitor, die initiale und prolongierte Mikrozirkulationsstörung und inflammatorische Reaktion nach isoliertem Weichteiltrauma beeinflussen kann.

Material und Methoden: In 18 Mäusen (C57BL/6) wurde eine chronische Rückenhautkammer präpariert und anschließend ein standardisiertes Weichteiltrauma (weight drop; 25g; 14,5cm) induziert. Mittels intravitaler Fluoreszenzmikroskopie wurden arterioläre Durchmesser, arteriolärer Blutfluss sowie die funktionelle Kapillardichte analysiert. Die inflammatorische Reaktion des Gewebes wurde durch Quantifizierung der venulären Leukozytenadhärenz bestimmt. Intravitalmikroskopische Analysen wurden vor bzw. direkt nach Traumatisierung sowie nach 1h, 8h, 24h, 3d und 5d durchgeführt. Die Tiere wurden folgenden experimentellen Gruppen zugeteilt: (i) Trauma ohne Behandlung (Trauma; n=6); (ii) Trauma + NS-398 (0.5mg/kg KG; 30min vor Trauma; NS-398; n=6); (iii) Kammerpräparation ohne Trauma (Kontrolle; n=6).

Ergebnisse: In unbehandelten Kontrolltieren ergab sich über den gesamten Versuchszeitraum von 5 Tagen kein Anhalt für eine Beeinträchtigung der Mikrozirkulation oder eine entzündliche Reaktion des Gewebes. Die Induktion des Weichteiltraumas führte initial zu einem massiven Anstieg der venulären Leukozytenadhärenz (238±37/cm2; p<0.05; 8h nach Trauma) sowie zu einer irreversiblen Mikrozirkulationsstörung (p<0.05) mit arteriolärer Konstriktion (71±3% des Ausgangswertes; 5d nach Trauma), arteriolärer Hypoperfusion (48±4%; 5d nach Trauma) und nutritivem Perfusionsversagen (65±3%; 5d nach Trauma). Die Behandlung mit NS-398 verhinderte die Trauma-induzierte frühe Zunahme der Leukozytenadhärenz nahezu vollständig (105±12/cm2; 8h nach Trauma; p<0.05 vs Trauma). Nachfolgend war eine deutliche Verbesserung der Mikrozirkulation, vor allem nach 3 und 5 Tagen nachzuweisen. Sowohl die arteriolären Durchmesser (102±2% des Ausgangswertes; 5d nach Trauma) als auch der arterioläre Blutfluss (106±5%; 5d nach Trauma) erreichten nach 5 Tagen wieder die Ausgangswerte vor Induktion des Traumas (p<0.05 vs Trauma). Die nutritive Perfusion erholte sich zwar nicht vollständig, im Vergleich zu unbehandelten Tieren war jedoch die funktionelle Kapillardichte nach COX-2-Inhibition signifikant erhöht (84±3%; p<0.05 vs Trauma).

Schlussfolgerung: Die selektive Inhibition der Cyclooxygenase-2 vermindert die frühe post-traumatische leukozytäre Antwort und – darauf folgend – auch die Manifestation des später auftretenden, irreversiblen Perfusionsversagens. Die hier vorgestellten Daten legen nahe, dass das späte, Trauma-induzierte mikrovaskuläre Perfusionsversagen durch die frühe Entzündungsreaktion verursacht wird, und damit eine anti-inflammatorische Therapie mit COX-2-Inhibitoren Ischämie-bedingte Komplikationen im Rahmen von isolierten Weichteilschädigungen verhindern könnte.