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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Immunmonitoring chronischer Abstoßung nach klinischer Nierentransplantation

Meeting Abstract

  • I. Tsaur - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Molekulare Onkoimmunologie, Würzburg
  • B. Aviles - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Molekulare Onkoimmunologie, Würzburg
  • K. Lopau - Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik, Nephrologie, Würzburg
  • M. Grimm - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Molekulare Onkoimmunologie, Würzburg
  • E. Nichiporuk - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Molekulare Onkoimmunologie, Würzburg
  • A. Thiede - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Würzburg
  • D. Meyer - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Würzburg
  • corresponding author A.M. Waaga-Gasser - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Molekulare Onkoimmunologie, Würzburg
  • M. Gasser - Universitätsklinikum Würzburg, Chirurgische Klinik I, Würzburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5569

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch375.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Tsaur et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Unverändert beeinflusst die chronische Transplantatabstoßung den Langzeitverlauf nach klinischer Nierentransplantation negativ. Bisherige immunsuppressive Protokolle halten den Prozess der schrittweisen Transplantatzerstörung nur unbefriedigend auf. Neuere Immunsuppressiva wie Mycophenolat Mofetil (MMF) sind zunehmend Bestandteil heutiger Immunsuppression. Ziel der Studie war es dazu ein individualisiertes Immunmonitoring bei Patienten unter verschiedenen Protokollen hinsichtlich einer frühzeitigen Erkennung einer chronischen Abstoßung durchzuführen.

Material und Methoden: Im Zeitraum von 01/2000 bis 07/03 wurden 107 Patienten nach Nierentransplantation mit bekanntem Spender-Empfänger HLA-Match und mindestens 1 Jahres-Abstand nach Transplantation untersucht. Die Patienten dieses Kollektivs wurden mit einem der folgenden immunsuppressiven Protokolle therapiert: Cyclosporin A (CsA)+MMF+Steroid, Tacrolimus (Tac)+MMF+Steroid und CsA+Steroid. Periphere Blutlymphozyten (PBLs) der Patienten wurden isoliert und spenderabgeleitete HLA-DR Peptide synthetisiert. T-Zell-Linien wurden durch wiederholte Peptid-Stimulation der PBLs mit bestrahlten Empfänger-APCs hergestellt. Die T-Zell-Linien wurden danach immunhistologisch (Cytospins), morphologisch (Durchflusszytometrie) und hinsichtlich ihrer Zytokinexpression (ELISPOT, ELISA) sowie durch Proliferationsassay charakterisiert. Die Expression von Genen spezifisch für regulatorische T-Zellen wurde mit der Real Time PCR untersucht.

Ergebnisse: Die aus peripherem Blut der Patienten mit chronischer Abstoßung (CR, Creatinin: ≥1,6 mg/dl; unter Tac+MMF+Steroid: 33,3%, CsA+MMF+Steroid: 55,4%, CsA+Steroid: 62,5%) etablierten T-Zell-Linien zeigten abstoßungstypische Zytokin-Expressionsprofile (IFN-γ ↑, IL-10 ↓;); Zellen aus Patienten mit stabiler Transplantatfunktion (SF, Creatinin: <1,6 mg/dl; Tac+MMF+Steroid: 66,7%, CsA+MMF+Steroid: 44,6%, CsA+Steroid: 37,5%) wiesen jedoch ein IL-10 dominiertes Profil (IFN-γ ↓, IL-10 ↑) auf, und waren im Gegensatz dazu durch eine niedrige Reaktivität gegen ihr Spenderantigen (DR-Peptid) gekennzeichnet (SF: 4.283±731cpm, n=12 vs. CR: 24.125±3.256cpm, n=12). In der Immunfluoreszenz sowie durchflusszytometrisch fanden sich in stabilen Patienten mit Tac+MMF+Steroid Protokoll verstärkt CD4+CD25+ Zellen verglichen mit stabilen Patienten mit CsA+MMF+Steroid (8,1% vs 4,2%) als Hinweis auf immunregulatorische Zellen in diesen Patienten mit unbeeinflusster Transplantatfunktion. Mittels Real Time PCR wurden in stabilen Patienten mit Tac+MMF+Steroid vs. CsA+MMF+Steroid Protokoll 2-3 fach höhere Expressionen von Genen wie CD4, CD25, CTLA-4, Foxp3 und IL-10 detektiert, die für eine Immunregulation typisch sind.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit stabiler Transplantatfunktion, nicht jedoch in solchen mit chronischer Abstoßung, wurden in allen Fällen signifikant verstärkt immunregulatorische Zellen beobachtet. Die Analyse transplantierter Patienten mittels Immunmonitoring von T Zellen zu definierten Zeitpunkten nach Nierentransplantation gewinnt zur frühzeitigen Differenzierung von Empfängern mit entstehender chronischer Abstoßung einen wichtigen Stellenwert. Eine Immunsuppression auf der Basis von MMF und Tacrolimus zeigt unter den untersuchten Protokollen den vergleichsweise stärksten protektiven Effekt auf immunregulatorische Zellen und scheint damit eine langfristig stabile Transplantatfunktion zu begünstigen.