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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

CCR2 V64I Polymorphismus: Risikofaktor für Hepatitis C positive Patienten nach orthotoper Lebertransplantation ?

Meeting Abstract

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  • corresponding author J.M. Knaak - Transplantationschirurgie, Chirurgie von Leber, Pankreas und Gallenwegen,Universitätsklinik Mainz
  • A. Lautem - Transplantationschirurgie, Chirurgie von Leber, Pankreas und Gallenwegen,Universitätsklinik Mainz
  • C. Moench - Transplantationschirurgie, Chirurgie von Leber, Pankreas und Gallenwegen,Universitätsklinik Mainz
  • G. Otto - Transplantationschirurgie, Chirurgie von Leber, Pankreas und Gallenwegen,Universitätsklinik Mainz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5311

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch374.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Knaak et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das Chemokin MCP-1 und sein Rezeptor CCR2 nehmen eine Schlüsselrolle in der postoperativen Immunmodulation nach orthotoper Lebertransplantation (OLT) ein. Für den MCP-1-exklusiven Rezeptor CCR2 ist der „single nucleotide“ Polymorphismus (SNP) V64I (Valin an Codon 64 gegen Isoleucin getauscht) beschrieben. Wir den Einfluss des V64I Polymorphismus auf das Transplantat- und Patientenüberleben untersucht.

Material und Methoden: Im Zeitraum von 9/97 bis 8/05 wurde von lebertransplantierten Patienten (n = 267) genomische DNA isoliert und die CCR2-Genotypisierung mittels Fluorescence Resonance Energy Transfer (FRET)-DNA-Hybridisierungssonden (LightCycler) analysiert. Der MCP-1 Serumspiegel wurde mittels ELISA bestimmt.

Ergebnisse: n=47 Patienten (Alter: 51,6 ± 10,4; 22-69) trugen das I-Allel (V/I n = 44, I/I n = 3); bei n=219 Patienten (Alter: 50,6 ± 11,6; 16-69) lag der V/V-Genotyp vor. Das 5-Jahres-Transplantatüberleben betrug 80% bei I-Allelträgern, während es bei Patienten mit V/V-Allelen mit 60% niedriger lag (p = 0,08 log rank-test). Das 5-Jahres-Überleben von Patienten mit I-Allel betrug 88% im Vergleich zu 75% von V/V-Allelträgern (p = 0,19 log rank). Fast alle Sterbefälle der V64I positiven Patienten waren HCV positiv. Bei HCV positiven Patienten lag das 5-Jahrespatientenüberleben bei 60% bei I-Allel, während das V-Allel bei 75% lag (p = 0,14 log rank), das Organüberleben lag bei 75% (V-Allele) versus 50% bei I-Allel (p = 0,11 log rank). Bei HCV-negativen Patienten zeigte sich ein umgekehrtes Überleben: I-Allel zeigten ein Patientenüberleben von 97% sowie ein Organüberleben von 95%, dem gegenüber überlebten 76% der Patienten (p = 0,01 log rank) und 64% der Organe (p = 0,02 log rank) mit V-Allel. Der MCP-1 Spiegel im Blut von Patienten mit I-Allel war mit 171,9 ± 134,5 pg/ml signifikant (p<0,01, t-test) niedriger als bei Patienten mit V/V-Allel (260,4 ± 257,3 pg/ml).

Schlussfolgerung: Patienten mit CCR2 V/I- bzw I/I-Genotyp zeigen im Vergleich zum V/V-Genotyp ein deutlich besseres 5-Jahres Transplantatüberleben nach OLT, dies gilt im Besonderen für nicht HCV positive Patienten. Der protektive Mechanismus liegt in der vermehrten Toleranz gegenüber dem transplantierten Organ, da das I-Allel der Rezeptormutation mit einer erniedrigten MCP-1 Ligandenprodution gekoppelt ist und somit mit toleranzfördernden Mechanismen vergesellschaftet ist. HCV Patienten scheinen einen Nachteil aus diesem Polymorphismus zu ziehen, denn das HCV-Virus scheint unter dem Einfluß des CCR2 V64I Polymorphismus stärker toleriert zu werden und dies bedeutet eine massive Schädigung des Transplantats durch zytotoxische T-Zellen.