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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Intraperitoneale Applikation von Gefitinib inhibiert das Tumorwachstum der Kolonkarzinomzelllinie CC 531 im laparoskopischen Rattenmodell

Meeting Abstract

  • corresponding author R. Kuhn - Chirurgische Klinik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
  • D. Schubert - Chirurgische Klinik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
  • S. Krüger - Klinik für Pathologie, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
  • L. Flohr - Chirurgische Klinik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
  • M. Pross - Chirurgische Klinik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
  • H. Lippert - Chirurgische Klinik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5552

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch334.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Kuhn et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Gefitinib (Iressa®)ist ein selektiver Tyyrosinkinaseinhibitor. Ein Potential zur Behandlung von unterschiedlichen Tumoren (NLCSC) ist in der peroralen Applikationsform nachgewiesen wurden. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Evaluierung von Gefitinib bei der Kolonkarzinomzelllinie CC 531 in der peroralen und der direkten intraperitoealen Applikationsform in unterschiedlichen Dosierungen im laparoskopischen Rattenmodell.

Material und Methoden: In vitro: Die Zytotoxizität und das Adhäsionsverhalten der Tumorzellen wurden nach Inkubation und Anfärbung mit unterschiedlich definierten Gefitinibdosierungen bestimmt. Zusätzlich wurde die Zytotoxizität von Gefitinib auf kulivierte Magen-, Peritoneal, Dünndarm- und Kolonzellen untersucht. Der Einfluss von Gefitinib auf die Invasivität der Tumorzellen erfolgte über die Verwendung von mit Matrigel belegten Transwell-Kammern. 1ml der Tumorzellen wurde mit definierter Gefitiniblösung versetzt. Nach Inkubation über 48h konnten die invasiven Zellen in der zweiten Kammer abgeerntet und Unterschiede gemessen werden. Gefitinib ist für die orale Gabe in Tablettenform vorhanden. Für die durchgeführten Versuche wurde Gefitinib entsprechend der Vorgabe des Herstellers mit Polysorb 1% in Lösung gebracht. In vivo: 90 WAG-Ratten wurden in 6 Gruppen zu je 15 Tieren randomisiert. Bei allen Tieren erfolgte die laparoskopische Tumorzel1implantation mit 1ml CC 531 Karzinomzellen. Gruppendefinition:Gruppe 1: Kontrolle, täglich intraperitoneal 1ml Polysorb 1%Gruppe 2: Sofortige einmalige intraperitoneale Spülung mit 50mg/KG/KM GefitinibGruppe 3: Täglich intraperitoneale Spülung mit 50mg/KG/KM GefitinibGruppe 4: Tägliche perorale Applikation von 50mg/KG/KM GefitinibGruppe 5: Tägliche perorale Applikation von 100mg/KG/KM GefitinibGruppe 6: Kontrolle, täglich intraperitoneal 1ml NaCl 0,9% Nach 21 Tagen wurden die Tiere planmässig obduziert und sämtliche Tumorformationen präpariert und gewogen. Tumorproben und Serum wurden kryokonserviert.

Ergebnisse: In vitro: Es konnte eine dosisabhängige Zytotoxizität von Gefitinib auf die Tumorzellen und die gesunden Zellen nachgewiesen werden. Jedoch lag die IC50 bei den Tumorzellen bei 1,5µM, bei den gesunden Zellen bei 10µM Gefitinibdosis. Die Adhäsion sowie die Invasivität wurden ebenfalls durch Gefitinib reduziert.In vivo: In allen mit Gefitinib therapierten Versuchsgruppen fand sich eine signifikante Tumormassenreduktion gegenüber den beiden Kontrollgruppen. Die perorale Gabe erbrachte eine mittelgradige Tumorreduktion. Die beiden Dosierungen waren dabei gleichwertig. Bei der täglichen intraperitonealen Applikation war kein vitales Tumorgewebe nachweisbar. Es fanden sich Fremdkörpergranulome und Adhäsionen, jedoch keine Tumorzellen, so dass hier eine komplette Tumorinhibition erreicht werden konnte. Bei der einmaligen peritonealen Spülung mit Gefitinib konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden.

Schlussfolgerung: Gefitinib führt zu einer Tumorinhibition in vitro ud in vivo. Durch eine regelmässige intraperitoneale Applikation von Gefitinib konnte eine komplette Hemmung des Tumorwachstums erreicht werden. Der Einsatz von Gefitinib bei Kolonkarzinomen wird unterschiedlich diskutiert. Möglicherweise stellt die von uns gewählte direkte Applikation eine zusätzliche Alternative im Behandlungskonzept des Kolonkarzinoms dar. Die Potenz von Tyrosinkinaseinhibitoren beim Kolonkarzinom ist unklar und sollte unbedingt weiter evaluiert werden.