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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Ist die elektive chirurgische Behandlung von „giant“ Hämangiomen bei asymptomatischen Patienten gerechtfertigt

Meeting Abstract

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  • corresponding author S. Yedibela - Chirurgische Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Deutschland
  • T. Meyer - Chirurgische Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Deutschland
  • W. Hohenberger - Chirurgische Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5015

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch279.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Yedibela et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Hämangiome sind die häufigsten benignen Tumore der Leber. Sie treten bevorzugt beim weiblichem Geschlecht auf. Es herrscht Einigkeit darüber, dass symptomatische Hämangiome chirurgisch behandelt werden sollten. Eine Sonderstellung nehmen die sogenannten „giant“ Hämangiome ein. Sie sind definiert durch ihren Durchmesser von größer als 4 Zentimeter und können in etwa 5% rupturieren. In 60-75% der Fälle kann eine Ruptur einen tödlichen Ausgang nehmen. Ob das Vorliegen von „giant“ Hämangiomen eine chirurgische Therapie rechtfertigt, wurde bis heute nicht untersucht.

Material und Methoden: Zwischen 1990 und 2004 wurden bei 91 Patienten mit „giant“ Hämangiomen eine elektive Leberresektion durchgeführt. Vier Patienten wurden wegen rupturierten Hämangiomen notfallmäßig laparotomiert. Die Indikation für die Operation waren abdominelle Beschwerden bei 52 Patienten, fragliche Dignität bei 11 Patienten, Größenprogredienz ohne Symptomatik bei 8 Patienten und Angst bei 20 Patienten. Das Patientenkollektiv setzte sich aus 32 (34%) Männern und 63 (66%) Frauen zusammen, das mediane Alter betrug 56 (24-81) Jahre. Die Patienten wurden entsprechend der Indikation (symptomatisch (SGH), [n=56] versus asymptomatisch (AGH), [n=39]) in zwei Gruppen aufgeteilt und hinsichtlich der prä-, intra und postoperativen Merkmale verglichen.

Ergebnisse: Bezüglich der präoperativen Merkmale wie Alter, Geschlecht und antikonzeptive Therapie gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. In der AGH-Gruppe waren signifikant häufiger solitäre Hämangiome vertreten. Ebenso waren präoperative Werte für GOT, g-GT und Alkalische Phosphotase signifikant niedriger. Die mediane Größe der Hämangiome betrug 8,8 (4-23) Zentimeter und 8,5 (4-21) Zentimeter für SGH und AGH. Zwei der notfallmäßig laparotomierten Patienten hatten einen Kasabach-Merrit-Syndrom. Hinsichtlich des Resektionsausmaßes waren beide Gruppen vergleichbar. In der Gruppe der asymptomatischen Patienten war der intraoperativer Blutverlust, Anzahl der substituierten Blutkonserven und die Abklemmzeit im Rahmen des Pringle-Manövers signifikant niedriger. Zwei Patienten verstarben postoperativ; ein Patient nach Ruptur beim Kasabach-Merrit-Syndrom, der zweiter Patient wegen einer Lungenembolie 2 Wochen nach einer rechtsseitigen Hemihepatektomie. Beide Patienten wurden wegen symptomatische Hämangiome operiert. Die Gesamtmorbidität betrug für die symptomatischen Patienten 21%, für asymptomatische Patienten 7% (p=0,002). Sechsundvierzig (82%) Patienten mit Symptomen vor der Operation waren postoperativ beschwerdefrei. Die stationäre und Intensiv-Verweildauer war in beiden Gruppen vergleichbar.

Schlussfolgerung: Fehlende Mortalität und Morbidität von 7% rechtfertigen eine elektive chirurgische Therapie von asymptomatischen „giant“ Hämangiomen. Insbesondere in Abwägung der Rupturgefahr mit möglichem fatalen Ausgang bei diesen Patienten, ist eine Resektion der Hämangiome vertretbar. Auch der dringende Patientenwunsch aus Angst vor eine Ruptur, die bis hin zur völligen sozialen Isolation führen kann, kann durchaus eine Indikation für eine chirurgische Therapie darstellen.