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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Serosa-Naht nach Dünndarm-Serosaläsion - sinnvoll oder Unsinn? Eine Untersuchung im Kaninchenmodell

Meeting Abstract

  • corresponding author F. Hölzl - Chirurgische Klinik der RWTH Aachen
  • S. Willis - Chirurgische Klinik der RWTH Aachen
  • M. Anurov - Joint Institute for surgical research
  • J. Conze - Chirurgische Klinik der RWTH Aachen
  • A.P. Oettinger - Joint Institute for surgical research
  • V. Schumpelick - Chirurgische Klinik der RWTH Aachen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5284

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch262.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Hölzl et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Ziel der Studie war es, zu untersuchen ob der Verschluss von intestinalen Serosalösionen hilft, Perforationen oder Adhäsionen vorzubeugen, oder vielmehr sinnlose Zeitverschwendung ist. Literatur hinsichtlich dieser Fragestellung existiert bislang nicht. Der Vorteil der üblicherweise durchgeführten Reserosierung ist nie belegt worden.

Material und Methoden: 23 Kaninchen wurden nach üblicher Narkose und Vorbereitung standardisiert mittels 5 cm langer medianer Schnittführung 3 cm unterhalb des Xiphoids laparotomiert. Bei allen Tieren wurde 50 cm oral des Coecums durch Serosa-Unterspritzung von 3 ml NaCl-Lösung und schließlich Ablösung der Serosa mit der Schere ein 6mm großer, kreisrunder Serosadefekt gesetzt. Dieser wurde bei 11 Tieren durch drei 5/0 Vivryl-Einzelknopfnähte in gleicher Weise verschlossen, bei 12 Tieren erfolgte keine Serosanaht. Alle Läsionen wurden meso-seitig mit einer Prolene 5/0-Naht markiert. Der Bauchwandverschluss erfolgte dann durch fortlaufende Fasziennaht und Hauteinzelknopfnähte. Nach 14 Tagen wurden alle Tiere getötet und die Bauchhöhle nach Adhäsionen durchsucht. Diese wurden mit Hilfe der Planimetrie dokumentiert.

Ergebnisse: Ein Tier der Gruppe ohne Serosanaht verstarb nach 7 Tagen an einer bilateralen Pneumonie. An der Deserosierung fand sich zu diesem Zeitpunkt keine Adhäsion. Alle weiteren Tiere zeigten einen völlig unauffälligen postoperativen Verlauf über den Beobachtungszeitraum. In der Gruppe mit Serosanaht fand sich bei 2 Tieren keine Adhäsion an der Übernähung, jedoch deutliche Narbenbildung. Bei allen weiteren 9 Tieren kam es zu flächigen Adhäsionen zu Omentum, Meso oder Dünndarm. In der Gruppe ohne Verschluss war bei allen 12 Tieren keine Verwachsung zum Defekt erkennbar und die Serosaläsion makroskopisch bei 7 Tieren nicht mehr sichtbar. Bei 5 Tieren fand sich Narbenbildung. Hinweise auf gedeckte oder offene Perforationen ergaben sich bei keinem Tier beider Gruppen.

Schlussfolgerung: Die häufig auftretenden Serosaläsionen des Darms z.B. im Rahmen der Adhäsiolyse werden üblicherweise übernäht. Dies wiegt den Operateur in fälschlicher Sicherheit, kostet nicht nur Operationszeit und damit Geld, sondern erhöht das Risiko der Adhäsionen eindeutig. Reine Serosaläsionen sollten im Interesse einer adhäsionsfreien lokalen Heilung nicht mehr per Naht verschlossen werden.