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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Chirurgie im Senium: Ergebnisse kolorektaler onkologischer Resektionen bei über 80jährigen Patienten

Meeting Abstract

  • corresponding author T.P. Kratt - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universität Tübingen
  • H. Hess - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universität Tübingen
  • T. Zittel - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universität Tübingen
  • A. Braun - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universität Tübingen
  • A. Kirschniak - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universität Tübingen
  • A. Königsrainer - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universität Tübingen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5150

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch257.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Kratt et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Fragestellung: Ist bei über 80jährigen Patienten mit einem erstdiagnostizierten Kolon- und insbesondere Rektumkarzinom ein operatives Vorgehen entsprechend den onkologisch - chirurgischen Standards gerechtfertigt ?

Material und Methoden: Retrospektive Studie: 394 Patienten mit kolorektalem Karzinom: Gruppe 1 mit 197 Patienten: 80 Jahre und älter bei Erstdiagnosestellung bzw. Gruppe 2 mit 197 Patienten 60 bis 79 Jahre. In beiden Gruppen nahezu identische Geschlechterverteilung. Im jüngeren Kollektiv 58% der Pat. mit Rektumkarzinom bzw. in der Gruppe der über 80Jährigen 65%. Altersdifferenz zwischen Gruppe 1 bzw. 2 bei beiden Geschlechtern 15 Jahre. Erfasst wurde in beiden Gruppen relevante Komorbiditäten (KHK, Herz- / Niereninsuffizienz, Diabetes etc.), postoperative Komplikationen (kardiopulmonal: Herzinfarkt, Apoplex, Lungenembolie, tiefe Beinvenenthrombose sowie Anastomoseninsuffizienz, Peritonitis, Sepsis, Nachblutung, Miktions- und Stuhlentleerungsstörung, Wundheilungsstörung, Fistel). Nachbeobachtungszeit (Mittelwert) Gruppe 1: 39 Monate bzw. Gruppe 2: 63 Monate.

Ergebnisse: Nahezu identische Anzahl von postoperativen Komplikationen in beiden Altersgruppen: 37% bei älteren bzw. 39,5% bei jüngeren Patienten. - Vergleichbare Komplikationsraten nach Tumorlokalisation: Colon-Eingriffe: 36% postoperative Komplikationen bei älteren bzw. 38% bei jüngeren Pat. bzw. Rektum-Eingriffe: 38% bei älteren gegenüber 41% postop. Komplikationen bei jüngeren Patienten (Trend: mehr Pneumonien bei älteren Pat. bzw. mehr Anastomoseninsuffizienzen nach Rektumeingriffen in beiden Alters-Gruppen). - Die Anzahl der Komorbiditäten hat zwischen beiden Altersgruppen keinen entscheidenden Einfluß bzgl. der postoperativen Komplikationsraten (bei älteren Pat. 27% Komplikationen bei bis zu 2 maßgeblichen Grunderkrankungen bzw. bei jüngeren Pat. 33%). Auch der Vergleich der Patienten mit 3 und mehr Grunderkrankungen zeigte zwischen beiden Altersgruppen keine relevanten Unterschiede. - Mehr Notfalleingriffe bei älteren Patienten (14% vs. 5% aller Eingriffe. - Nach Notfalleingriff treten mindestens ein Drittel mehr postoperative Komplikationen auf (Gruppe 1: 31% Komplikationen nach elektiven bzw. 42% nach Notfalleingriffen / Gruppe 2: 34% Komplikationen nach elektiven bzw. 49% nach Notfalleingriffen). - Mehr kurative Eingriffe bei jüngeren Patienten: 64% vs. 48% in der Gruppe der über 80jährigen Patienten. - Pat. mit Colon ascendens-Karzinom haben in beiden Altersgruppen kürzere Überlebenszeiten als Pat. mit Rektumkarzinom.

Schlussfolgerung: Ein stadiengerechtes chirurgisches Vorgehen nach onkologischen Therapieprinzipien ist auch bei über 80jährigen Patienten trotz meist bestehender Grunderkrankungen anzustreben. Dies gilt insbesondere auch für Patienten mit Rektumkarzinom.