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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Der Einfluss von HIV-1-Tat Peptiden auf die Gefäßneubildung und ihre mögliche Anwendung in der Therapie

Meeting Abstract

  • corresponding author M. Ismail - Klinik für Allgemein-, Viszeral-,Gefäß- und Thoraxchirurgie, Universitätsmedizin Charité Berlin, Campus Mitte
  • R.I. Rückert - Chirurgische Klinik, Franziskus-Krankenhaus Berlin
  • X. Huang - Experimentelle Chirurgie/ Molekularbiologie; Universitätsmedizin Charité Berlin, Campus Mitte
  • C. Braumann - Klinik für Allgemein-, Viszeral-,Gefäß- und Thoraxchirurgie, Universitätsmedizin Charité Berlin, Campus Mitte
  • P. Henklein - Institut für Biochemie; Universitätsmedizin Charité Berlin, Campus Mitte
  • W. Dubiel - Experimentelle Chirurgie/ Molekularbiologie; Universitätsmedizin Charité Berlin, Campus Mitte

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5770

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch143.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Ismail et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die pro-angiogenetische Kapazität des durch HIV-1 exprimierten multifunktionellen Proteins Tat (trans-acting transcriptional activator) ist bekannt. Das Kaposi-Sarkom etwa entsteht im Ergebnis der durch das Tat-Protein induzierten Angiogenese. Dieses Protein ist ein wesentlicher Transaktivator von HIV-1 und supprimiert das Immunsystem durch Modulation der Aktivität des Proteasoms. Die vorliegende Studie identifiziert und charakterisiert Tat-Peptide, die zwar Angiogenese induzieren, aber keinen Effekt auf das Immunsystem haben. Solche Peptide könnten zur Therapie der schweren peripheren arteriellen Verschlußkrankheit eingesetzt werden, wenn eine gefäßchirurgische oder endovaskuläre Rekonstruktion nicht mehr möglich sind. Das Tat-Protein hemmt die Antigenpräsentation mittels MHC Klasse I Molekülen und wird bei der Auswahl pro-angiogener Tat-Peptide berücksichtigt.

Material und Methoden: Ausgehend von der essentiellen Sequenz des Tat-Proteins wurden verschiedene Peptide synthetisiert. Physiologische Endothelzellen (HUVEC, Human umbilical vein endothelial cells) wurden mit diesen Tat-Peptiden behandelt. Hierbei wurde deren Einfluss auf das Ubiquitin/Proteasom-System analysiert. Kriterien für die Auswahl potentieller pro-angiogener Eigenschaften der Tat-Peptide waren die Induktion von Transkriptionsfaktoren [c-Jun, specific promoter (SP)-1] sowie Plasminogen Aktivator Inhibitor (PAI)-1 in HUVEC. C-Jun und SP-1 wurden mittels Western blot, PAI-1 mittels spezifischem ELISA analysiert. Die Invasion von Endothelzellen wurde in einer modifizierten Boyden Kammer gemessen. Der potentielle Einfluss von Tat-Peptiden auf die Angioneogenese wurde durch den Matrigel-Assay untersucht.

Ergebnisse: Tat-Peptide, die das Ubiquitin/Proteasom-System nicht beeinflussen, wurden selektiert. Ein Dosis-Wirkungseffekt der Basis-Region konnte nachgewiesen werden, welcher durch Tat selbst sowie 2 andere Tat-Peptide die Produktion von PAI-1 beeinflussten. Die Tat-Peptide veränderten endogene Konzentrationen von c-Jun und SP-1, welche mit der PAI-I Produktion korrelierten. Ähnlich dem bekannten pro-angiogenen Faktor bFGF stimulierten die Tat-Peptide die Invasion und Gefäßneubildung von HUVECs in Matrigel-Assay.

Schlussfolgerung: Es wurden Tat-Peptide mit pro-angiogenem Effekt synthetisiert, die jedoch keinen Einfluss auf das Ubiquitin/Proteasom-System haben. Ein wichtiger Schritt der Angiogenese ist die Invasion/Migration der Endothelzellen durch die Basalmembran. Im HUVEC System konnten 2 Tat-Peptide mit proangiogener Kapazität selektiert werden. In einer zweiten Phase sollen die Effekte der in den molekularbiologischen Studien vor-selektierten Tat-Peptide auf die Vaskularisierung im Tiermodell untersucht werden. Dabei soll nachgewiesen werden, daß die Peptide eine therapeutisch relevante Angioneogenese induzieren können.