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123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Signifikante Unterschiede der enteralen Durchblutung bei Mensch und Schwein- eine vergleichende anatomische Studie

Meeting Abstract

  • corresponding author C.J. Krones - Chirurgische Klinik und Poliklinik, RWTH Aachen
  • N. Charalambakis - Chirurgische Klinik und Poliklinik, RWTH Aachen
  • G. Mühlenbruch - Klinik für Radiologische Diagnostik, RWTH Aachen
  • D. Schuster - Institut für Anatomie, RWTH Aachen
  • A. Prescher - Institut für Anatomie, RWTH Aachen
  • M. Stumpf - Chirurgische Klinik und Poliklinik, RWTH Aachen
  • U. Klinge - Chirurgische Klinik und Poliklinik, RWTH Aachen
  • V. Schumpelick - Chirurgische Klinik und Poliklinik, RWTH Aachen

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch4686

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch125.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Krones et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Gut durchblutete Darmenden sind Grundvoraussetzung zur erfolgreichen Anastomosenheilung. Die Blutversorgung der verschiedenen Abschnitte des Gastrointestinaltrakts ist dabei an Mensch und Tier jedoch nicht nur von der anatomischen Lokalisation abhängig, sondern im interindividuellen Vergleich auch sehr variabel. Zusätzliche Spezies-Unterschiede sind beschrieben, in der medizinischen Literatur aber kaum bekannt. Um interindividuelle Variationen und Unterschiede zwischen den Spezies Mensch und Schwein darzustellen, wurden vergleichende Gefäßdarstellungen an Dünn- und Dickdarm vorgenommen. Immunhistochemische Vergleiche zur Kapillardichte unterschiedlicher Dünndarmabschnitte wurden ergänzt.

Material und Methoden: Aus 8 Frischleichen konnten gesamt 51 Dünn- und 8 Dickdarmpräparate vom Menschen und 60 Dünn- und 37 Dickdarmpräparate vom Schwein ausgewertet werden. An allen Präparaten wurde eine Gefäßfüllung mit Mennige-Gelatine Lösung durchgeführt. Die Bildgebung wurde mit einer hochauflösenden Mammographie durchgeführt. Alle Aufnahmen bildeten Darmsegment und Mesenterialstamm ab. Zur Quantifizierung wurden pro Probe auf je 10 Bild-cm der Abstand der mesenterialen Gefäßaufzweigungen, der Abstand der Mesenterialgefäße zueinander auf Höhe der Darmwand (in Bild-cm) und die Anzahl der intramuralen Anastomosen ausgezählt.Im immunhistochemischen Teil wurde an gesamt 80 separaten Proben von Mensch und Schwein im Jejunum und Ileum (n jeweil = 20) mit Faktor VIII-Antikörpern die Dichte an Gefäßquerschnitten bestimmt.Die statistische Analyse der Gefäßdarstellungen erfolgte mit dem Mann-Whitney-U Test für nicht parametrische Daten (SPSS). Die immunhistochemischen Daten wurden nach Signifikanz-Prüfung (Kruskal-Wallis-Test) im Paarvergleich mit dem Mann-Whitney-U Test für nicht parametrische Daten beurteilt. P < 0,05 galt jeweils als signifikant

Ergebnisse: Die Gefäßversorgung unterschied sich bereits makroskopisch deutlich zwischen Mensch und Schwein. Während die Humanpräparate den typischen Gefäßverlauf mit Arkaden, Querverzweigungen und Darmwandanastomosen zeigten, boten die Schweinepräparate eine hohe, multifilamentäre Aufzweigung der Stammgefäße ohne weitere mesenteriale Aufzweigung und einer geringen Zahl intramuraler Anastomosen. Mesenteriale Gefäßaufzweigungen ließen sich nur an den humanen Präparaten darstellen (Median 1,54 Bild-cm), da äquivalente Querverbindungen beim Schwein weder am Dünn- noch am Dickdarm darzustellen waren. Die Mesenterialgefäße lagen auf Höhe des Darmwandeintritts beim Menschen signifikant enger zusammen (p = 0,045). Die Anzahl der intramuralen Anastomosen lag in den humanen Präparaten signifikant höher (p < 0,001). Die immunhistochemische bestimmte Kapillardichte (Faktor VIII) zeigte für Mensch und Schwein im Jejunum höhere Werte (jeweils p < 0,001). Im Speziesvergleich äquivalenter Darmsegmente lag die Kapillardichte zudem in den humanen Proben höher als in den Vergleichsabschnitten beim Schwein (Jejunum: p = 0,583, Ileum: p < 0,001).

Schlussfolgerung: Der anatomische Speziesvergleich der Darmdurchblutung zwischen Mensch und Schwein ergab erhebliche, in der chirurgischen Literatur nicht bekannte Unterschiede in der Angioarchitektur von Mesenterium und Darmwand. Auswirkungen auf die physiologische Funktion und die Wundheilung des Organs liegen nahe. Tierexperimentelle Studien am Schweinedarm müssen unter diesen Bedingungen in ihrer generellen Übertragbarkeit auf den Menschen kritisch hinterfragt werden.