gms | German Medical Science

123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Kostenentwicklung durch Einführung eines interdisziplinären Wundbehandlungsstandards –ist die moderne Wundtherapie bezahlbar ?

Meeting Abstract

  • corresponding author T. Karl - Gefäßchirurgische Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe
  • G. Seip - Gefäßchirurgische Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe
  • C. Tremmel-Lehnert - Gefäßchirurgische Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe
  • M. Storck - Gefäßchirurgische Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5288

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch094.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Karl et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Die Behandlung chronischer Wunden verursacht in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von schätzungsweise 4 Mrd. €. Dennoch ist die Versorgung der betroffenen Patienten oftmals, vor allem im ambulanten Sektor aufgrund der unzureichenden Vergütungssituation und einer den aktuellen Erkenntnissen der modernen Wundbehandlung nicht entsprechenden Therapie als unzureichend zu bezeichnen. Da Leitlinien für die Behandlung chronischer Wunden bislang in Deutschland nicht existieren ergibt sich die Frage inwieweit durch die Einführung eines interdisziplinären Therapiestandards die Versorgung der Patienten verbessert werden kann und mit welchen Auswirkungen in Bezug auf Logistik, Marketing und Ökonomie gerechnet werden muss.

Material und Methoden: 2004 erfolgte die Entwicklung und im Frühjahr 2005 die Implementierung eines verbindlichen interdisziplinären und interprofessionellen Wundbehandlungsstandards in einem Klinikum der Maximalversorgung. Die Gesamtkosten für moderne Wundtherapeutika wurden ebenso wie die Kosten für die jeweiligen Hauptproduktgruppen ( Hydrokolloide, Polyurethanverbände, Alginate, Hydrogele, silberhaltige Wundauflagen und V.A.C.® Therapie ) analysiert und mit den Daten aus dem Vorjahr vergleichen.

Ergebnisse: Insgesamt betrugen die Kosten für Wundbehandlungsprodukte von Januar bis Oktober 2005 184.000,-- €.Im Vergleich zum Vorjahr kam es zu einem Anstieg der Kosten um 140 %, der wesentliche Kostenfaktor war hierbei mit einem Anteil von 106.000,-- € die V.A.C. ® Therapie.

Schlussfolgerung: Die Akzeptanz eines Wundbehandlungsstandard ist insbesondere bei dem Pflegepersonal ausserordentlich hoch. Die konsequente Umsetzung eines Wundbehandlungsstandards entsprechend den Erkenntnissen moderner phasengerechter Wundtherapie führt zu einem Anstieg der Materialkosten. Hierzu muss die Fallzahlentwicklung sowie die Liegedauer in Relation gesetzt werden. Durch regelmäßige Schulungen müssen Fehler bei der Anwendung ( zu häufige Verbandswechsel, Add-on Effekte ) vermieden werden. Bei korrekter Anwendung moderner Wundauflagen resultiert eine deutliche Reduktion der Verbandswechselintervalle und Freisetzung von Personalressourcen. Durch Reduktion der Produktpalette lassen sich günstigere Einkaufskonditionen erzielen und die Lagerhaltung vereinfachen. Nicht zuletzt wird durch konsequente Umsetzung des Wundbehandlungsstandards dem Rechtsanspruch des Patienten auf eine den modernen Erkenntnissen der Medizin entsprechende Behandlung genüge getan. Darüber hinaus resultiert ein sekundärer Gewinn durch langfristige Patientenbindung und Zunahme der Fallzahlen. Die höheren Materialkosten für die Behandlung chronischer Wunden müssen sich in der zukünftigen Kalkulation der G-DRG`s niederschlagen.