gms | German Medical Science

123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

02. bis 05.05.2006, Berlin

Chirurgie bei renalem Hyperparathyreoidismus: Totale Parathyreoidektomie mit Fallschirm

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author L. Schiffmann - Chirurgische Universitätsklinik Rostock
  • A. Pietsch - Chirurgische Universitätsklinik Rostock
  • T. Foitzik - Chirurgische Universitätsklinik Rostock
  • E. Klar - Chirurgische Universitätsklinik Rostock

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 123. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 02.-05.05.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06dgch5421

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2006/06dgch029.shtml

Veröffentlicht: 2. Mai 2006

© 2006 Schiffmann et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wird eine subtotale Parathyreoidektomie (sPT) oder totale Parathyreoidektomie (tPT) mit simultaner Auto-transplantation (AT) zur Behandlung des sekundären und tertiären Hyperparathyreoidis-mus (HPT) empfohlen. In der Literatur werden bei diesem Vorgehen Rezidivraten bis zu 80% mitgeteilt. Deswegen wird seit einigen Jahren die tPT ohne AT propagiert. Die vorlie-gende Studie untersucht die Ergebnisse bei leitliniengemässem Vorgehen anhand einer retrospektiven Analyse sowie einer aktuellen Nachuntersuchung.

Material und Methoden: Auswertung aller Patienten, die in den letzten 5 Jahren an der o.g. Abteilung wegen eines sekundären oder tertiären HPT operiert wurden. Anschreiben dieser Patienten wie auch ihrer Hausärzte mit der Bitte, die aktuellen Laborwerte (Calcium, PTH; Kreatinin, Harnstoff), Symptome und ggf. zwischenzeitliche Reoperationen, Nierentransplantationen, etc. mitzuteilen.

Ergebnisse: Im o.g. Zeitraum wurden 68 Patienten wegen eines renalen HPT operiert, 55 Pat. erstmals, 13 Pat. wegen eines Rezidivs (50% Erst-OPs ex domo) Bei der Erst-OP wurde 47x eine tPT mit AT (n=42) oder eine sPT mit Belassung eines Teils eines Epithelkörperchens (EK) in situ (n=5) durchgeführt. Bei 8 Patienten erfolgte eine tPT ohne AT mit Kryokonservierung der entnommenen EK. Nach Erst-OP mit AT (o-der sPT) fiel der PTH-Wert bei 94 % der Pat. in den Normbereich (od. darunter) ab. Bei der Kontrolle / Befragung dieses Kollektivs wurde in der Stichprobe in 55% der Fälle ein laborchemisches Rezidiv mitgeteilt. Bei 6 % der Pat. mit der o.g.Erst-OP blieb der postop. PTH-Wert erhöht. Bei diesen Pat. wurde Lokalisationsdiagnostik mittels MiBi-Szinzti und Halsvenenkatheter durchgeführt. Dabei zeigte sich in 1 Fall ein positiver Befund. Dieser Patient wurde erfolgreich reoperiert. Bei 2 Pat. blieb die Lokalisationsdiagnostik negativ. Sie wurden medikamentös behandelt und zu einem späteren Zeitpunkt reevaluiert und in 1 Fall reoperiert (Exstirpation des AT). Bei allen Pat., bei denen als Erst-OP eine tPT ohne AT vorgenommen worden war, fiel der PTH-Wert unterhalb des Normbereichs ab, alle entwickelten postop. eine ausgeprägte Hypocalciämie. Diese war bei 5 Pat. medikamentös einzustellen, bei 3 Pat. wurde kryo-konserviertes EK in einem zweiten Eingriff replantiert.Bei den 13 Rezidiv-OPs (2 cervical; 11 Explantation von AT im Bereich des Arms) gelang in 6 Fällen die Restparathyreoidektomie, bei 7 Patienten normalisierte sich der PTH-Spiegel nicht. Die Wiederholung der Lokalisationsdiagnostik ergab in 3 Fällen einen Hin-weis auf verbliebenes NS-Restgewebe bzw. ein vorher nicht diagnostiziertes 5. EK. Diese 3 Patienten wurden nochmals operiert, bei 2 blieb der PTH-Siegel trotzdem erhöht, Calci-umspiegel und Symptome ließen sich hier wie auch den 4 nicht nachoperierten Patienten nicht einstellen.

Schlussfolgerung: Rezidive sind bei Belassen von Nebenschilddrüsengewebe (entweder in situ oder als AT) eher die Regel als Ausnahme. Dies ist insofern verständlich als der Stimulus zur Hyperplasie erhalten bleibt. Im Falle eines symptomatischen Rezidivs ist es schwierig und in vielen Fällen nicht möglich eine Restparathyreoidektomie zu erzielen. Daher favorisieren wir folgendes Konzept: 1. Beim Ersteingriff totale Parathyreoidektomie ohne Autotransplantation mit Kryokonservierung der EK; 2. Im Falle eines medikamentös nicht beherrschbaren Hypoparathyreoidismus Replantation kryokonservierter EK subkutan in die Bauchdecke, 3. Bei Z.n. Niererentransplantation oder wenn der Patient in absehbarer Zeit zur NTX ansteht AT schon beim Ersteingriff.