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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Patientensicherheit während des Bereitschaftsdienstes – Beeinflussen Schlafentzug und lange Arbeitszeiten die chirurgische Leistungsfähigkeit?

Meeting Abstract

  • corresponding author K.S. Lehmann - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • J.P. Ritz - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • P. Martus - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • S. Ouail - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • H. Maaß - Institut für Angewandte Informatik, Forschungszentrum Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • U. Kühnapfel - Institut für Angewandte Informatik, Forschungszentrum Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • G. Bretthauer - Institut für Angewandte Informatik, Forschungszentrum Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • H.J. Buhr - Chirurgische Klinik, Charité - Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3048

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch748.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Lehmann et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Lange Arbeitszeiten und Schlafentzug können die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Im Gegensatz zu anderen sicherheitskritischen Berufen existieren hierzu für medizinische Berufe mit hoher Nachtdienstbelastung kaum valide Daten. In Hinsicht auf die Patientensicherheit ist es essentiell zu wissen, ob ärztliche Bereitschaftsdienste (BD) die chirurgische Leistung beeinflussen. Ziel dieser Studie war es, die manuelle chirurgische Leistungsfähigkeit und Konzentrationsleistung während Bereitschaftsdiensten zu untersuchen.

Material und Methoden

Die manuelle Leitungsfähigkeit wurde mit einem virtuellen OP-Simulator anhand von 3 validierten Übungen getestet. Die Untersuchung der Konzentrationsleistung (KL) erfolgte mit standardisierten psychometrischen Tests (D2-Test, Zahlenverbindungstest). Die Studiengruppe bestand aus 17 chirurgischen Assistenzärzten mit BD der Stufe D, als Kontrollgruppe ohne BD dienten 13 nichtärztliche Probanden. Um ein einheitliches Leistungsniveau zu erreichen, erfolgte zunächst eine 5-tägige Trainingsphase am OP-Simulator. Die anschließende Datenerhebung erfolgte an 4 Testzeitpunkten während eines normalen Arbeitstages mit anschließendem BD (BD8: 8 Uhr, BD16: 16 Uhr, FD8: Folgetag nach BD um 8 Uhr, RD8: Tag nach normalem Nachtschlaf 8 Uhr). Die KL wurde am 1. Tag der Trainingsphase und an den 4 Testzeitpunkten während BD gemessen. Aus den 18 gemessenen Parametern des OP-Simulators wurden über eine multifaktorielle Hauptkomponentenanalyse zwei Gesamtscores (GS) gebildet (GS Zeit/Präzision, GS Fehler). Die subjektive Einschätzung der Leistungsfähigkeit wurde über Fragebögen erfasst. Weitere statistische Auswertungen erfolgten mit dem Mann-Whitney- und dem Wilcoxon-Test.

Ergebnisse

Während der 5-tägigen Trainingsphase konnten typische Lernkurven für laparoskopische Operationen beobachtet werden. Leistungsunterschiede zwischen und innerhalb der Studien- und Kontrollgruppe glichen sich aus, so dass am 5. Trainingstag keine signifikanten Differenzen mehr messbar waren. Die Schlafzeit während des anschließenden BD betrug im Mittel 2,9 ±1,4 h für die Studiengruppe und 6,5 ±0,9 h für die Kontrollgruppe. In der Studiengruppe zeigten sich für die GS am OP-Simulator und die KL keine signifikanten Differenzen während BD im Vergleich zum Ausgangswert (BD8) oder im Vergleich zur Kontrollgruppe [Abb. 1]. Die Testzeit während BD betrug für die einzelnen Testzeitpunkte 26,3 ±1,6 min. Die Fragebögen demonstrierten eine deutlich schlechtere Einschätzung der subjektiv empfundenen Leistungsfähigkeit.

Schlussfolgerung

In der vorliegenden Studie wurden manuelle chirurgische Fähigkeiten und die Konzentrationsleistung während des normalen Arbeitstages und während Bereitschaftsdienst getestet. Manuelle Leistungsunterschiede konnten in der Trainingsphase angeglichen werden. Die einzelnen Testtermine stellten mit einer Dauer von 26,3 min eine mittelfristige hochkonzentrative Aufgabe dar. Weder nach normalem Arbeitstag, noch nach Schlafentzug ließen sich Leistungsdefizite innerhalb der Studiengruppe oder zur Kontrollgruppe ohne Schlafentzug nachweisen. Dies zeigte sich sowohl für die Messung manueller Fähigkeiten am OP-Simulator, als auch für die Erfassung mittels etablierter Konzentrationstests. Die Ergebnisse erlauben keinen Rückschluss auf die individuelle Belastung während BD. Die vorliegende Studie lässt jedoch vermuten, dass die Patientensicherheit während BD für mittelfristige Konzentrationsanforderungen nicht beeinträchtigt ist (gefördert durch das BMBF, Ref.# FKZ 01IRA03C).