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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Nervenschonende Chirurgie des Rektumkarzinoms – Objektiviert durch Neurostimulation mit funktionellem Monitoring

Meeting Abstract

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  • corresponding author W. Kneist - Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie, Johannes Gutenberg Universität Mainz
  • T. Krüger - Neuroprothetik & Neuromonitoring Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik, St. Ingbert
  • T. Junginger - Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie, Johannes Gutenberg Universität Mainz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3579

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch723.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Kneist et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die nervenerhaltende Technik bei mesorektaler Exzision des Rektumkarzinoms unterliegt einer Lernkurve. Eine objektive Einschätzung des Nervenerhaltes ist eine Vorraussetzung um die Lernkurve zu verkürzen. Ziel einer prospektiven Studie mit 50 Patienten war es nach mesorektaler Dissektion durch einen in der nervenschonenden Technik erfahrenen Chirurgen den Nervenerhalt durch Neurostimulation und funktionelles Blasenmonitoring intraoperativ zu objektivieren. Analysiert werden sollten patienten- tumorbedingte- sowie operationstechnische Risikofaktoren für die Nervenerhaltung.

Material und Methoden

Bei 48 Patienten erfolgte eine totale (7 Abdominoperineale Exstirpationen) und bei 2 Patienten eine partielle mesorektale Exzision). Nach bilateraler elektrischer Stimulation (Spannung 12V, Frequenz 35 Hz, Pulsweite 310 ms) der sakralnahen Nn. splanchnici pelvici wurde der resultierende intravesikale Druckanstieg manometrisch gemessen bzw. ein EMG des M. detrusor vesicae aufgezeichnet. Die Ergebnisse wurden in Beziehung gesetzt zur postoperativen Blasenfunktion, charakterisiert durch postoperatives Restharnvolumen, Notwendigkeit der Rekatheterisierung sowie zu den Ergebnissen des validierten International Prostatic Symptom Scores (IPSS) und des auf die Blasenfunktion bezogenen Quality of Life Index (Qol). Zur statistischen Bewertung wurde der Mann und Whitney U-Test sowie der χ2-Test angewandt. Zur Beschreibung der Übereinstimmung des intraoperativen Stimulationsergebnis bzw. der makroskopischen Einschätzung des Operateurs zum Nervenerhalt mit der postoperativen Blasenfunktion wurde das Kappa-Maß angegeben.

Ergebnisse

Bei 40 Patienten wurde eine R0 Resektion bei 2 eine R1 und bei 8 eine R2 Resektion des Rektumkarzinoms (UICC I/II/ III/ IV: 4/18/18/10) durchgeführt. Nach makroskopischer Einschätzung wurden die Beckennerven bei 41 Patienten (82%) komplett, bei 7 partiell (14%) und bei 2 Patienten (4%) nicht geschont. Das Ergebnis der intraoperativen Neurostimulation war bilateral positiv (Nervenerhalt) bei 36 Patienten (72%) unilateral positiv bei 9 (18%) und bilateral negativ bei 5 Patienten (10%). Patienten mit bilateral positivem Testergebnis hatten im Vergleich zu Patienten mit negativem Stimulationsergebnis die bessere postoperative Blasenfunktion: Rekatheterisierung 0/36 vs. 7/14, p<0,001; Restharnvolumen 52±67 ml vs. 374±408 ml, p=0,001; IPSS 2,9±4,8 vs. 8,0±6,1, p=0,003; Qol 0,7±1,2 vs. 2,9±2,2, p<0,001). Für die Beurteilung des funktionellen Nervenerhalts zeigte sich das intraoperative Neurostimulationsergebnis treffsicherer als die makroskopische Einschätzung (kappa: 0,72 vs. 0,46). Patienten mit Resektion von Karzinomen mit Befall des anterioren Quadranten hatten häufiger negative Neurostimulationsergebnisse (12/33 vs. 1/16, p=0,037). Für die Parameter Geschlecht, ASA, Alter, Tumorsitz (Rektumdrittel), Tumorgröße, Wandinfiltrationstiefe, circumferentieller Wandbefall, Operationsart und Notwendigkeit der Blutsubstitution zeigten sich keine signifikanten Unterschiede (p>0,05).

Schlussfolgerung

Bei Chirurgie des Rektumkarzinoms erlaubt die intraoperative Neurostimulation mit funktionellem Blasenmonitoring eine objektive Einschätzung der nervenerhaltenden Operationstechnik und kann als Instrument der Qualitätsverbesserung dienen.