gms | German Medical Science

122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Können die Score – Systeme auch zur Beurteilung der Prognose papillärer und follikulärer Schilddrüsenkarzinome in Jodmangelgebieten angewandt werden?

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author J. Witte - Chirurgische Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
  • H.-D. Röher - Chirurgische Universitätsklinik Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2901

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch666.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Witte et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Die Entscheidung zum Ausmaß der Primär- oder Komplettierungsoperation beim papillären (PTC) und follikulären (FTC) Schilddrüsenkarzinom stützt sich auf anerkannte, jedoch nicht einheitlich angewandte Prognosefaktoren. Weltweit kommen dabei die Score – Systeme nach den AMES -, UICC - und DeGroot – Klassifikationen bei der Beurteilung der Prognosefaktoren für die Zeit bis zum ersten Rezidiv und für die Überlebenszeit zum Einsatz. Anhand des eigenen, homogenen Patientenkollektives wird geprüft, ob die Score – Systeme auch in Jodmangelendemiegebieten klinisch anwendbar sind.

Material und Methoden

In einer Verlaufsbeobachtungsstudie wurden alle Patienten, die zwischen 1986 und 1998 an der Chirurgischen Universitätsklinik Düsseldorf mit einer Primär- oder Komplettierungsoperation behandelt worden waren, bis 2002 nachuntersucht. Die Daten wurden getrennt nach PTC und FTC ausgewertet. Die univariate Analyse erfolgte mittels Kaplan Meier Log Rank Test, die multivariate mittels Cox-Modell. Die Einteilung des Patientenkollektives erfolgte nach den altersabhängigen Kriterien der AMES - und UICC - sowie nach den vom Alter unabhängigen Kriterien der DeGroot – Klassifikationen.

Ergebnisse

Insgesamt erfüllten 451 Patienten die Studienkriterien (346 Pat. mit PTC und 105 Pat. mit FTC). Multivariat erwiesen sich Lymphknotenmetastasen (N1) beim PTC (p<0,001) und FTC (p=0,007) und zusätzlich pT4 Tumore (p=0,009) beim FTC als unabhängige Prognosefaktoren für die Zeit bis zum ersten Rezidiv. In bezug auf das Rezidiv konnte nur die DeGroot – Klassifikation das Risiko für PTC und FTC signifikant abbilden (p=0,0002/p<0,001). Für die Überlebenszeit der PTC/FTC waren Fernmetastasen der unabhängige Prognosefaktor (p=0,006/ - ). Das Überlebensrisiko konnte generell nach den Klassifikationen AMES (p=0,0023/p=0,0001) und UICC (p=0,0002/p=0,0185) sowie individuell nach DeGroot (p=0,0001/p=0,0085) erfasst werden.

Schlussfolgerung

Der Vergleich der Anwendbarkeit der Score – Systeme (AMES, UICC und DeGroot) erfolgt unter dem Gesichtspunkt der regional, nach Jodversorgung unterschiedlichen Tumorbiologie von PTC und FTC. Im Jodmangelendemiegebiet zeigt sich in bezug auf die Zeit bis zum ersten Rezidiv beim PTC ausschließlich eine Übereinstimmung mit den Prognosefaktoren nach der DeGroot - Klassifikation. Die individuell patientenspezifischen Prognosefaktoren für die Überlebenszeit beim PTC und FTC werden mit den Score – Systemen AMES und UICC nicht ausreichend dargestellt. Hier zeigt die DeGroot – Klassifikation deutliche Vorteile, so dass sie klinisch für die Beurteilung der Prognose von Patienten mit einem PTC oder FTC in Jodmangelendemiegebieten am besten geeignet und anwendbar ist.