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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Der Effekt von Östrogen auf die hepatische Mikrozirkulation während Ischämie/Reperfusion

Meeting Abstract

  • corresponding author M. Burkhardt - Abt. für Unfall-, Hand- u. Wiederherstellungschirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar
  • J. Slotta - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar
  • T. Pohlemann - Abt. für Unfall-, Hand- u. Wiederherstellungschirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar
  • M. D. Menger - Institut für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar
  • A. Seekamp - Abt. für Unfall-, Hand- u. Wiederherstellungschirurgie, Universität des Saarlandes, Homburg/Saar

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2608

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch442.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Burkhardt et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Bei Sepsis, Blutverlust und Trauma sind geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausprägung des Krankheitsbildes Gegenstand anhaltender Diskussion, wobei dem weiblichen Hormon Östrogen eine protektive Wirkung zugeschrieben wird. Geschlechtsspezifische Unterschiede nach Leberischämie werden bis heute jedoch kontrovers diskutiert und der Einfluß von Östrogenen ist hierbei noch nicht geklärt. In der vorliegenden Studie untersuchten wir daher, inwieweit (i) der hepatische Ischämie-Reperfusionsschaden geschlechtsspezifische Unterschiede zeigt, (ii) diese auf einer Störung der Mikrozirkulation beruhen, und (iii) der postischämische Schaden durch Östrogene beeinflußbar ist.

Material und Methoden

Weibliche (n=8) und männliche (n=8) Sprague-Dawley Ratten wurden einer 90min Ischämie und einer 60min Reperfusion des linken Leberlappens unterzogen. Sechs weitere männliche Ratten wurden zusätzlich mit 4mg/kg KG 17-beta-Östradiol i.p. 24h vor Versuchsbeginn behandelt. Mittels intravitaler Mikroskopie wurde die nutritive (sinusoidale) Perfusion, die postischämische Entzündungsantwort (Leukozyten-Endothel-Interaktion) sowie die Phagozytosefunktion der Kupfferzellen bestimmt. Zu Versuchsende wurde der Parenchymschaden anhand der Messung der Leberenzyme AST, ALT und LDH beurteilt.

Ergebnisse

Nach Ischämie-Reperfusion zeigten männliche Tiere im Vergleich zu weiblichen (i) eine signifikante (p<0.05) Beeinträchtigung der Kupfferzellfunktion (männlich: 10.9±1.6% vs weiblich:3.7±0.5%), (ii) eine mäßiggradige Verstärkung des sinusoidalen Perfusionsversagens (28.0±3.3% vs 23.7±3.6%) und der Leukozyten-Endothelzell-Interaktion in den postsinusoidalen Venolen (847±126 Leukozyten/mm2 vs 634±142 Leukozyten/mm2), sowie (iii) einen massiv (p<0.05) erhöhten Parenchymzellschaden (AST und LDH: 3300±661U/L und 17648±2229U/L vs 1056±220U/L und 7274±1773U/L). Die Östrogen-Behandlung bewirkte eine Normalisierung der Kupfferzelldysfunktion (2.1±0.4%, p<0.05), sowie eine Reduktion des sinusoidalen Perfusionsversagens (21.6±3.2%) und der venulären Leukozyten-Endothelzell-Interaktion (377±74 Leukozyten/mm2, p<0.05). Im Gegensatz dazu konnte der postischämische Parenchymzellschaden durch die Östrogen-Behandlung nicht beeinflußt werden (4023±1015U/L und 14604±3047U/L).

Schlussfolgerung

Ischämie und Reperfusion der Leber verursachen eine geschlechtsspezifisch unterschiedliche Ausprägung (i) der mikrovaskulären Dysfunktion, (ii) der leukozytären Entzündungsreaktion und (iii) des hepatozellulären Schadens. Die Störung der Mikrozirkulation und die inflammatorische Antwort sind wohl Östrogen-vermittelt, da sie durch die Hormonbehandlung effektiv reduziert werden konnten. Im Gegensatz dazu scheinen zusätzliche Faktoren zum initialen postischämischen Parenchymzellschaden beizutragen, da dieser durch die Östrogentherapie nicht beeinflußt werden konnte.