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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Morbidität und Lebensqualität unter chronischer sakralen Nervenstimulation: prospektive Studie an 20 Patienten mit Stuhlinkontinenz

Meeting Abstract

  • corresponding author Y. Knoblauch - Universitätsspital Zürich, Schweiz
  • FH. Hetzer - Universitätsspital Zürich, Schweiz
  • F. Löhlein - Universitätsspital Zürich, Schweiz
  • D. Hahnloser - Universitätsspital Zürich, Schweiz
  • N. Demartines - Universitätsspital Zürich, Schweiz

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2934

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch419.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Knoblauch et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Stuhlinkontinenz (SI) stellt eine große physische und psychische Belastung für den Patienten dar. Die Wirksamkeit der SNS konnte für SI mittlerweile in mehreren Studien mittels Kontinenz-Scores und Stuhltagebüchern aufgezeigt werden. Untersuchungen über die Langzeitwirkung der SNS und deren Einfluss auf die Lebensqualität (QoL) sind nur spärlich vorhanden.

Material und Methoden

Wir führen die SNS in einem zweizeitigen, minimal invasivem Verfahren durch. Der erste Schritt beinhaltet die PNE (perkutane Nervenevaluation) und die Implantation der permanenten Elektrode. Im zweiten Schritt erfolgt die Implantation des internen Pulsgenerators. Die Implantation des Stimulators erfolgte bei einer Verbesserung der Inkontinenz über 50% getroffen während der 14-tägigen Screeningphase. Mittels ambulanten Kontrollen 3, 6 und 12 Monate nach Implantation des IPG wurde die Morbidität festgehalten. Vor Beginn der Therapie und 6 Monate nach Dauerstimulation wurde der Einfuss der chronischen Stimulation auf die QoL durch verschiedene Fragebogen (SF-36, Eypasch und einem modifizierten Inkontinenz-Fragebogen aus dem Royal London Hospital (RLH)) prospektiv erfasst. Die SI wurde mittels Wexner-Score und die Urininkontinenz mittels Hanley-Score bestimmt.

Ergebnisse

Von Mai 2001 bis August 2004 wurde bei 30 Patienten eine PNE und bei 20 Patienten (10 Frauen), medianes Alter von 65 Jahren (33-87), die Implantation des Stimulators durchgeführt. Der mittlere follow-up betrug 12 Monate (6-33 Monate). Die Implantation eines IPG erfolgte bei 4 Patienten mit idiopatischer, 6 mit neurogener und bei 10 Patienten mit einer anatomischen SI. Der mediane präoperative Wexner-Score (0-20) war 13.8(6-20), der postoperative 3.4(0-12), P<0,001. Der Urininkontinenz-Score (0-8) reduzierte sich tendenziell von 2,8(0-8) auf 1(0-2), P =0,167.Eine eindrückliche signifikante Verbesserung der QoL zeigte sich im modifizierten RLH-Score (0-400) (vgl. Abbildung) und SF-36 (0-800), von 96 (6-194) zu 66 (10-162), P = 0,036, respektiv 55 (12-100) zu 41 (7-101), P =0,049. Im Eypasch konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gezeigt werden.Bei einem Patienten trat nach Implantation des IPG ein Serom auf. Der gleiche Patient entwickelte nach 10 Monaten ein therapierefraktäres Schmerzsyndrom im ipsilateralen Fuss, was zu einer Beendigung der Therapie und Explantation des IPG führte. Zwei Patienten klagten unter Dauerstimulation unter Schlafstörungen, welche mit einem Ausschalten des IPG in der Nacht erfolgreich behandelt werden konnten. Bei einer Patientin kam es zum Wirkungsverlust der SNS nach 12 Monaten. Dies liess sich durch eine Neuplatzierung der Elektrode verbessern. Es traten keine Infekte am IPG auf.

Schlussfolgerung

Durch die minimal invasive Technik der SNS ist die postoperative Morbidität gering und Dank der Möglichkeit, jederzeit Anpassungen der Stimulatorparameter durchzuführen, sind störende Einflüsse der chronischen Stimulation gut zu behandeln. Unsere Daten zeigen eine deutliche Verbesserung der QoL nach SNS im physischen, emotionalen und sozialen Bereich. Hierbei stellten sich der Eypasch und der SF-36 als unspezifische Scores dar, der modifizierte RLH-Score überprüft gezielt die Einschränkung der QoL durch die Stuhlinkontinenz. [Abb. 1]