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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Palliative Stabilisierung von pathologischen Wirbelfrakturen zur Verbesserung der Lebensqualität tumorkranker Patienten

Meeting Abstract

  • corresponding author A. Franck - Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie der Universität Leipzig
  • S. Katscher - Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie der Universität Leipzig
  • O. Gonschorek - Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie der Universität Leipzig
  • C. Josten - Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie der Universität Leipzig

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch3707

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch390.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Franck et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Im Verlauf maligner Erkrankungen kommt es in ca. 70 % aller Fälle zum Auftreten von Metastasen. Die Wirbelsäule stellt dabei mit 30-60% die häufigste Lokalisation der Ausbreitung im Skelettsystem dar. Trotz Ausschöpfung konservativer Therapiemassnahmen kann einerseits die progrediente Schmerzsymptomatik oft nicht zufriedenstellend behandelt werden. Andererseits besteht durch Osteolysen und pathologische Wirbelfrakturen die Gefahr instabilitätsbedingter akuter neurologischer Ausfälle. In der vorliegenden Arbeit werden die Ergebnisse der operativen Versorgung von Wirbelsäulenmetastasen bei Patienten mit ungünstiger Gesamtprognose dargestellt.

Material und Methoden

Im Zeitraum von 1/96 – 12/03 wurden 52 Patienten (28w, 24m) mit Wirbelsäulenmetastasen verschiedener Malignome operativ behandelt. Bei 21 Patienten (40,4%) war mehr als ein Wirbel betroffen, in 5 Fällen (9,6%) lokalisierten sich die Metastasen in verschiedene Etagen der Wirbelsäule. Die HWS war in 7,3%, die BWS in 53,1%, die LWS in 35,4% und das Sacrum in 4,2% befallen. An der HWS erfolgte die weitgehende Tumorresektion und Stabilisierung mittels Cage und Platte über einen ventralen Zugang. Metastasen der thorakolumbalen Wirbelsäule wurden überwiegend durch eine dorsale mehrsegmentale Stabilisierung überbrückt und 36 mal mit einer Laminektomie kombiniert. Lediglich in 3 Fällen thorakolumbaler Metastasen wurde bei guter Gesamtprognose der Erkrankung eine ventrale Tumorresektion durchgeführt.

Ergebnisse

41 Patienten (78,8%) gaben nach der operativen Stabilisierung eine erhebliche Schmerzreduktion an. Nur in 3 Fällen (5,8%) kam es zu einer Verschlimmerung der Schmerzen. Von 29 Patienten, die aufgrund neurologischer Ausfälle operiert worden waren, kam es postoperativ in 10 Fällen (34,5%) zur partiellen oder vollständigen Remission der neurologischen Defizite. An Komplikationen beobachteten wir 4 revisionsbedürftige Wundheilungsstörungen, eine persistierende postoperativ aufgetretene Querschnittslähmung im Bereich der oberen Brustwirbelsäule sowie 4 passagere neurologische Verschlechterungen. Implantatausbrüche traten im Beobachtungszeitraum nicht auf.

Schlussfolgerung

Bei Tumorpatienten mit Wirbelsäulenmetastasen kann durch frühzeitige operative Stabilisierung eine Reduktion instabilitätsbedingter Schmerzen und somit eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Bei akut aufgetretenen neurologischen Ausfällen stellt die Laminektomie mit dorsaler Stabilisierung eine prognostisch gute Therapieoption auch bei reduziertem Allgemeinzustand des Patienten dar. Liegen hochgradige Spinalkanaleinengungen mit bereits länger andauernder Neurologie vor, besteht jedoch insbesondere im thorakalen Bereich die Gefahr der Verschlechterung durch das Operationstrauma. Das Tumorzentrum als interdisziplinäres Gremium ist auch unter palliativen Gesichtspunkten essentiell zur frühzeitigen Koordinierung der verschiedenen Therapieansätze.