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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Klinische Wertigkeit von Procalcitonin (PCT) in der Vorhersage septischer Komplikationen und der Gesamtprognose bei schwerer akuter Pankreatitis und Peritonitis: Ergebnisse einer prospektiven internationalen Multizenterstudie

Meeting Abstract

  • corresponding author B. M. Rau - Abt. für Allgemein-, Viszeral-, und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
  • E. A. Kemppainen - Dep. of Surgery, Helsinki University Central Hospital, Helsinki, Finnland
  • A. Gumb - Dep. Surgery and Gastroenterology, Pancreatic Unit, University of Verona, Verona, Italy
  • W. Uhl - Abt. für Viszeral- und Transplantationschirurgie, Inselspital, Universität Bern, Schweiz
  • K. Wegscheider - Wegscheider Biometrie und Statistik, Berlin
  • M. W. Büchler - Abt. für Viszeral- und Transplantationschirurgie, Inselspital, Universität Bern, Schweiz
  • C. Bassi - Dep. Surgery and Gastroenterology, Pancreatic Unit, University of Verona, Verona, Italy
  • P. Puolakkainen - Dep. of Surgery, Helsinki University Central Hospital, Helsinki, Finnland
  • H. G. Beger - Chirurgische Klinik I, Universität Ulm

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2974

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch068.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Rau et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Infektionen und Sepsis zählen zu den schwerwiegendsten Komplikationen in der Viszeralchirurgie, die eine erhebliche Morbidität und Mortalität aufweisen. Eine frühzeitige und verlässliche Vorhersage/Diagnose septischer Komplikationen ist daher von essentieller klinischer Bedeutung.

Material und Methoden

In fünf europäischen Zentren wurden 186 Patienten mit schwerer akuter Pankreatitis (SAP, n=104) und sekundärer Peritonitis (PE, n=82) innerhalb 96 Stunden nach Symptombeginn eingeschlossen. Eine Pankreasinfektion trat bei 17 Patienten mit SAP auf, eine bakteriell positive Peritonitis bestand bei 56 Patienten der Peritonitis-Gruppe. PCT und der Routineparameter CRP wurden prospektiv in jedem Zentrum bestimmt. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich über maximal 21 Tage nach Studieneinschluss und hiernach in wöchentlichen Intervallen bis zur Entlassung bzw. Tod.

Ergebnisse

Im Gegensatz zum CRP wies PCT einen frühen und hochsignifikanten Anstieg bei Patienten auf, die im weiten Verlauf der Erkrankung eine schwere Pankreasinfektion bzw. abdominelle Sepsis entwickelten oder im Verlauf der Erkrankung starben. Ein PCT-Wert von ≥3.5 ng/ml war einem CRP ≥430 mg/l für die kombinierte Vorhersage einer schweren Pankreasinfektion oder eines letalen Verlaufes bei SAP deutlich überlegen (p<0,0001). Bei diesem Cut-Off ergab sich eine Sensitivität und Spezifität von 93% und 88% für PCT sowie von 40% und 98% für CRP. Bei sekundärer PE war ein PCT-Wert von ≥9,0 ng/ml einem CRP ≥220 mg/l für die Vorhersage einer schweren abdominellen Sepsis ebenfalls signifikant überlegen (p<0,0001). Die bei diesem Cut-Off erreichte Sensitivität und Spezifität lag bei 72% und 81% für PCT sowie bei 67% und 55% für CRP. Die Vorhersage dieser Komplikationen war bereits am dritten und vierten Krankheitstag bei SAP bzw. am ersten und zweiten postoperativen Tag bei PE mit vergleichbarer Sensitivität und Spezifität möglich. Ein persistierender PCT-Wert von > 1,0 ng/ml über die erste Krankheitswoche hinaus erwies sich als sehr guter prognostischer Indikator für einen letalen Krankheitsverlauf und war dem CRP auch hier signifikant überlegen (p<0,0001).

Schlussfolgerung

PCT ist eine nichtinvasive und zuverlässige Methode zur Vorhersage schwerer abdomineller Infektionen sowie der Gesamtprognose bei SAP and PE. Dieser biochemische Parameter trägt in hohem Masse zur verbesserten Stratifizierung von Risikopatienten mit entzündlichen Abdominalerkrankungen in der laborchemischen Diagnostik bei.