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122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

05. bis 08.04.2005, München

Sinn und Unsinn interdisziplinärer Belegungssteuerung: Erfahrungen in einer chirurgischen Abteilung der Schwerpunktversorgung

Meeting Abstract

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  • corresponding author B. Stinner - Viszeral-, Thorax-, Gefäßchirurgie, Elbe Klinikum Stade

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. München, 05.-08.04.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05dgch2437

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2005/05dgch006.shtml

Veröffentlicht: 15. Juni 2005

© 2005 Stinner.
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Gliederung

Text

Einleitung

Der zunehmende ökonomische Druck im Krankenhaus macht das leerstehende Bett zu einem wichtigen Zielpunkt von Optimierungsbemühungen. Grundsätzlich sind die damit verbundenen Kosten "sprungfix", d.h. Einsparungen sind nur durch Schließung ganzer Einheiten und möglichst 100% Auslastung vorhandener Kapazitäten zu erreichen. Bei bereits optimierter Auslastung der OP-Kapazität sollte dieses Ziel durch eine interdisziplinäre Belegungssteuerung erreicht werden.

Material und Methoden

Nach erheblicher Reduktion der Liegezeiten in den letzten 3 Jahre wurde bei gleichbleibender Patientenzahl durch Schließung einer kompletten Station die Anzahl der chirurgischen Betten von 50 auf 43 reduziert. 6 Betten Intensivstation blieben unberührt. Diese Betten wurden auf einer "Kernstation" (27), einer gastroenterologisch-chirurgischen interdisziplinären Station (8) und in vakanten Anteilen einer gynäkologischen Station (8) untergebracht. An 103 konsekutiven Tagen wurde die Verteilung der Patienten detailliert dokumentiert.

Ergebnisse

In diesem Zeitraum waren "im Durchschnitt" 42,4 Patienten auf diesen peripheren Stationen untergebracht ( Belegung 98,6%, Schwankungsbreite 27-52 Patienten). An 43 Tagen (43,7% des Auswertzeitraums) wurden mehr als die zugeordneten 43 Betten belegt, die Patienten waren an 45 Tagen auf 4 (43,7%), an 5 Tagen (4,8%) auf 5 und an 10 Tagen (9,7%) auf 6 Stationen verteilt! Die Ausweitung der Belegung über die drei geplanten Bereiche hinaus an 60 Tagen (58,3% des Auswertzeitraumes)war mit erheblichen logistischen Problemen in der ärztlichen und pflegerischen Versorgung, sowie der operativen Alltagsabwicklung verbunden. Eine weitere Liegezeitverminderung ist durch die DRG-Mindestverweildauern in der Summe nicht eingetreten.

Schlussfolgerung

Der verständliche ökonomische Anspruch einer möglichst vollständigen Ressourcenauslastung findet im Alltag einer chirurgischen Schwerpunktversorgungseinrichtung organisatorische, medizinische und Sicherheitsgrenzen. Die Verteilung der Patienten in viele "nichtchirurgische" Bereiche erschwert erheblich die Kontinuität der Versorgung und berücksichtigt unzureichend nicht wünschenswerte Kombinationen von Patienten ( weniger krank/ schwer krank, sterile Operationen / kritische Wunden etc.). Interdisziplinarität ist zudem bei der Zunahme perfekt ambulant vorbereiter Patienten, die zur Ausführung eines chirurgischen "Zielauftrages" aufgenommen werden, nur begrenzt notwendig. Der eindeutige ökonomische Vorteil der fast vollständigen Bettenauslastung erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und strukturelle Vorkehrungen, um unter diesen Bedingungen Patientensicherheit und -komfort noch ausreichend zu gewährleisten.