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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Einfluß des Bereitschaftsdienstes auf die Leistungsfähigkeit von Chirurgen: Evaluation mit einem virtuellen OP-Simulator

Poster

  • presenting/speaker Kai Lehmann - Chirurgische Klinik und Poliklinik I, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • J.P. Ritz - Chirurgische Klinik und Poliklinik I, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • S. Ouail - Chirurgische Klinik und Poliklinik I, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • H. Maass - Institut für Angewandte Informatik, Forschungszentrum Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • U.G. Kuehnapfel - Institut für Angewandte Informatik, Forschungszentrum Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • C.T. Germer - Chirurgische Klinik und Poliklinik I, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • P. Martus - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland
  • G. Bretthauer - Institut für Angewandte Informatik, Forschungszentrum Karlsruhe, Karlsruhe, Deutschland
  • H.J. Buhr - Chirurgische Klinik und Poliklinik I, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie- und Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1107

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch385.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Lehmann et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die Diskussion um den Einfluss von langen Arbeitszeiten und die Durchführung von Bereitschaftsdiensten auf die Leistungsfähigkeit von Chirurgen wurde durch die aktuelle Rechtsprechung erneut angefacht. Insbesonders wird mit Defiziten in der psychomotorischen Koordination, Konzentrationsfähigkeit und Fehlervermeidung argumentiert. Valide Daten, die diese Annahme unterstützen, liegen jedoch bisher nicht ausreichend vor. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Leistungsfähigkeit von Chirurgen vor, während und nach eines Bereitschaftsdienstes (BD) mit Hilfe von psychometrischen Tests und Einsatz eines OP-Simulators zu untersuchen.

Material und Methoden

Zur Durchführung der Studie wurde ein OP-Simulator für virtuelle laparoskopsiche Szenarien (Virtual Endoscopic Surgery Trainer; VEST) benutzt. Die Studiengruppe bestand aus 17 Ärzten (Gruppe I), sowie einer Kontrollgruppe aus 13 Studenten (Gruppe II, ohne BD). Alle Probanden mussten 3 virtuelle laparoskopische Übungen (Kameraführung, ein-/ beidhändige Instrumentenführung) durchführen, deren Basisdaten (Übungszeit, Fehler, Präzision) dokumentiert wurden. Die Überprüfung der Konzentrationsleistung erfolgte mit Hilfe psychometrischer Tests (D2-Test [D2T], Zahlenverbindungstest [ZVT]). Die Datenerhebung erfolgte nach 5-tägiger Trainingsphase während und nach einem BD (BD 8 Uhr, BD 16 Uhr, FD 8 Uhr= 8 Uhr am Folgetag, RD 8 Uhr= 8 Uhr nach Nachtschlaf).

Ergebnisse

In der Trainigsphase zeigte sich eine kontinuierliche Verbesserung der psychomotorischen Werte bis zum 5. Tag im VEST-System mit Angleichung von Gruppe I und II. Im Rahmen der BD-Testphase traten im D2T und ZVT keine Differenzen zwischen Gruppe I und II auf. Nach normalem Arbeitstag (BD16) und nach BD (FD8) waren im Vergleich zum Ausgangswert (BD8) in beiden Gruppen keine Unterschiede in den psychomotorischen und psychometrischen Daten nachweisbar. Dagegen zeigte sich eine Tendenz zu vermehrtem Auftreten von Fehlern nach BD16 und FD8 [Tab. 1].

Schlussfolgerung

1.) Die Messungen im klinischen Umfeld eines normalen chirurgischen Arbeitstages dienten der Überprüfung von typischen Anforderungen an einen Chirurgen während und nach BD. 2.) Durch lange Arbeitszeit oder Schlafentzug verursachte Unterschiede hinsichtlich der zeitlichen Ausführung sowie der Bewegungsergonomie konnten in den hier überprüften kurz- und mittelfristigen Leistungs- und Konzentrationsanforderungen nicht nachgewiesen werden. 3.) Dagegen scheint während und nach Bereitschaftsdiensten die Fehlerakzeptanz zu steigen bzw. die Aufmerksamkeit für die Verursachung von Fehlern zu sinken. (gefördert durch das BMBF, Ref.# FKZ 01IRA03C)