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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Endovaskuläre Stentprothesen bei unterschiedlichen Erkrankungen der thorakalen Aorta : Erfahrungen mit 79 Patienten

Vortrag

  • presenting/speaker Burkhart Zipfel - Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin
  • F. Knollmann - Strahlenklinik und Poliklinik, Charité, Campus Virchow-Klinikum, Humboldt-Universität zu Berlin
  • R. Hammerschmidt - Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin
  • T. Krabatsch - Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin
  • R. Hetzer - Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Deutsches Herzzentrum Berlin

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1446

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch362.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Zipfel et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Analyse der mittelfristigen Ergebnisse nach Implantation endovaskulärer Stentprothesen in der thorakalen Aorta.

Material und Methoden

Bei 79 Patienten (66 Männer, 13 Frauen) wurden endovaskuläre Stentprothesen in die thorakale Aorta implantiert. Das Krankengut ist in der Tabelle nach den zugrunde liegenden Aortenerkrankungen aufgeschlüsselt. Alle Stentprothesen wurden im Operationssaal mit Hilfe eines chirurgischen Bildwandlers mit DSA implantiert. Bei den Dissektionen wurde die transösophageale Echokardiographie (TEE) als zusätzliches bildgebendes Verfahren verwendet und in speziellen Fällen zusätzliche der intravaskuläre Ultraschall (IVUS). 77 Talent® und 2 Endofit® Prothesen wurden implantiert. Dabei wurde ein einzelnes Segment in 62, zwei Segmente in 14 und mehr als zwei Segmente in drei Fällen verwendet. In 42 Fällen wurden die Endografts im distalen Aortenbogen verankert, dabei wurde die linke A. subclavia in 10 Fällen durch das Prothesenmaterial überstentet. In einem Fall wurde der Stentgraft simultan bei einem konventionellen Ersatz der infrarenalen Aorta implantiert.

Ergebnisse

Die Hospital-Mortalität betrug 12,7 % (10 Patienten). Eine Paraplegie trat bei einem Patienten (1,4 %) und Schlaganfälle bei 7 Patienten (8,8 %) auf. Alle Todesfälle und schweren neurologischen Komplikationen betrafen die Gruppe der Notfalleingriffe. Bei 4 Patienten wurden in den ersten postoperativen Tagen Verlängerungen der Stentgrafts wegen Endolecks implantiert, bei zwei Patienten wurde nach 14 Tagen zum konventionellen Aortenersatz konvertiert. 66 Patienten wurden nach 3 - 147 Tage (Mittel 29 Tage) entlassen. Zum Zeitpunkt der Entlassung waren alle Aneurysmen ohne Endolecks aus der Zirkulation ausgeschlossen. Die Patienten wurden mit CT oder MRT regelmäßig nachkontrolliert (1-44, im Mittel 11 Monate). Ein Patienten verstarb an einer Hirnblutung, ein weiterer an ungeklärter Todesursache, die übrigen befinden sich in altersentsprechend gutem Allgemeinzustand. Bei fünf Patienten wurden sekundär weitere Stentgrafts als Verlängerungen implantatiert, bei 4 Dissektionen wegen Perforation der Dissektionsmembran am distalen Stentende oder wegen progredienten Aneurysmen des falschen Lumens distal des Stentgrafts und bei einem Aneurysma wegen distaler Migration und Endoleck.

[Tab. 1]

Schlussfolgerung

In unserer Erfahrung wurden 62 % der Stentgrafts unter Notfallbedingungen implantiert. Die häufige Notwendigkeit von Graft-Verlängerungen ist Folge der Schwierigkeiten bei der Längenmessung der Aorta. Beides erfordert einen ausreichenden Vorrat an Stentgrafts. Die Paraplegierate scheint deutlich geringer zu sein als bei der konventionellen Aortenchirurgie. Allerdings sind perioperative embolische Schlaganfälle ein Problem besonders bei alten Patienten mit arteriosklerotischen Aorten. Eine Verbesserung der Stentgrafts mit einfacherer Handhabung der Einführungssysteme ist hier dringend geboten. Die unterschiedliche Natur der Erkrankungen der thorakalen Aorta erfordert eine differenzierte Betrachtung der Ergebnisse im Gegensatz zu den relativ einförmigen infrarenalen BAA. Die Ergebnisse sind besonders günstig bei kurzstreckigen Läsionen.