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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Schulterendoprothesenwechsel unter Verwendung inverser Implantate

Vortrag

  • presenting/speaker Alexander Katzer - ENDO-Klinik Hamburg, Deutschland
  • F. Sickelmann - ENDO-Klinik Hamburg, Deutschland
  • K. Seemann - ENDO-Klinik Hamburg, Deutschland
  • J.F. Loehr - ENDO-Klinik Hamburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch0200

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch306.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Katzer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

In der ENDO-Klinik wird seit 3 Jahren bei Schulterprothesenwechseln mit irreparablen Rotatorenmanschettendefekten die Delta-Prothese verwendet. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist die Evaluation der 2-Jahresergebnisse einzeitiger Schulterprothesenwechseloperationen mit dieser Prothese im Vergleich zum präoperativen Status.

Material und Methoden

Alle Patienten wurden 3,6,12 und 24 Monate nach der Operation zur Untersuchung einbestellt worden. Nach 6, 12 und 24 Monaten wurden Röntgenkontrollaufnahmen angefertigt. Das Schmerzbild und funktionelle Ergebnis wurden anhand eines eigens konzipierten Nachuntersuchungsbogens erfaßt und zusätzlich nach dem Constant/Murley-Schulterscore klassifiziert.

Ergebnisse

Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 64,8 Jahren (49-77 Jahre). Es waren 7 Männer und 14 Frauen betroffen (n=21). Bei 20 Patienten wurde die rechte und bei einer Patientin die linke Schulterprothese gewechselt. Die Indikation zur vorausgegangenen, primär endoprothetischen Versorgung waren 12 idiopathische Arthrosen, 7 Humeruskopfmehrfragmentfrakturen und 2 rheumatoide Arthritiden. Bei 2 Patienten waren bereits eine Wechseloperation und bei einem Patienten 2 Wechseloperationen unter Verwendung von Standardimplantaten vorausgegangen. 11 Patienten waren mehrfach nicht-endoprothetisch revidiert worden. Die aktuelle Wechseloperation erfolgte in 12 Fällen wegen Impingementbeschwerden bei cranialer Prothesenkopfsubluxation, 5 mal wegen cranio-ventaler Luxationen, bei 3 Patienten wegen periprothetischer Infektionen (2x Propioni sp., 1x St. aureus) und einmal aufgrund einer postoperativen Einsteifung des Schultergelenkes. Die 3 septischen Wechseloperationen wurden einzeitig mit antibiogrammadaptierter topischer und systemischer Antibiose durchgeführt. Zur Glenoid-Rekonstruktion waren bei 3 Patienten homologe und bei einem Patienten autologe Beckenkammspongiosa erforderlich. Sämtliche Patienten wurden durch die Wechseloperation unter Verwendung einer Delta-Prothese schmerzfrei oder verspürten nur noch bei längerdauernder Belastung tolerable Beschwerden v.a. am humeralen Deltoideusansatz. Die regelmäßige Einnahme von Analgetika bzw. NSAR war in keinem Fall erforderlich. Die Schulterfunktion konnte in allen Fällen deutlich gebessert werden. Der Constant/Murley-Schulterscore verbesserte sich von durchschnittlich 30 Punkten präoperativ auf 55, 52, bzw. 58 Punkte nach 3,6 und 12 Monaten. Der 12-Monats Wert entsprach exakt dem Endergebnis nach 2 Jahren. Die Röntgenkontrollaufnahmen zeigten in 19 Fällen ein regelrechtes Ergebnis. Das „Inferior glenoid notching“ wurde dabei als nicht pathologischer Nebenbefund gewertet, zumal in keinem Fall eine Lockerung der Metaglene feststellbar war. Die Gesamtkomplikationsrate lag mit einer revisionspflichtigen Prothesenluxation und einer Propioni-Infektpersistenz, die einen weiteren einzeitigen septischen Wechsel erforderlich werden ließ, bei 9,5%.

Schlussfolgerung

Der einzeitige Schulterwechsel unter Verwendung inverser Systeme stellt bei geeigneter Indikation ein zwar technisch anspruchsvolles, aber standardisiert durchführbares Verfahren zur Sanierung von Instabilitäten, Luxationen, Bewegungseinschränkungen und Infektionen dar. Aufgrund der zuverlässigen Schmerzlinderung bzw. -beseitigung ist die Patientenzufriedenheit hoch, eine befriedigende Schulterfunktion zu erreichen und Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Das funktionelle Endergebnis wird bereits nach 3 Monaten nahezu erreicht und bessert sich unter Fortführung der Physiotherapie bis zum Ablauf des ersten Jahres graduell. Belastet wird das Verfahren die relativ hohen Implantatkosten.