gms | German Medical Science

121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Männliche Urogenitalfunktion vor und nach totaler mesorektaler Exzision bei Rektumkarzinom: Ergebnisse einer prospektiven Studie

Vortrag

Suche in Medline nach

  • presenting/speaker Werner Kneist - Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland
  • T. Junginger - Klinik und Poliklinik für Allgemein- und Abdominalchirurgie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch0889

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch278.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Kneist et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Bei Männern ist anatomisch bedingt die vollständige Darstellung und Schonung der autonomen Nervengeflechte bei totaler mesorektaler Exzision (TME) erschwert. Urogenitale Funktionsstörungen gehören daher zu den spezifischen Komplikationen. Bei der Interpretation funktioneller Ergebnisse sind Prävalenz und Risikofaktoren urogenitaler Dysfunktion zu berücksichtigen. Ziel der prospektiven Studie war es anhand standardisierter Beurteilungsparameter zu klären, wie häufig bei Männern urogenitale Funktionsstörungen als Folge von TME mit anteriorer Dissektion ventral der Denonvillier´schen Fascie zu erwarten sind. Der Zusammenhang zwischen Nervendarstellung und Schonung, den Ergebnissen des intraoperativen Neuromonitorings und der postoperativen Genital- und Blasenfunktion sollte untersucht werden.

Material und Methoden

Analysiert wurde ein nicht selektiertes Kollektiv von 21 Männern im medianen Alter von 65 Jahren (29 - 77) mit TME wegen Rektumkarzinom. Durch Neuromonitoring wurde die parasympathische Innervation der Harnblase (Manometrie) und bei 6 Patienten zusätzlich die Innervation des Penis (Messung peniler Tumescence) intraoperativ geprüft. Die prä- bzw. postoperative Urogenitalfunktion wurde anhand des Restharnvolumens, der Notwendigkeit postoperativer Rekatheterisierung und Langzeitkatheterisierung sowie des International Prostatic Symptom Score (IPSS), des auf die Blasenfunktion bezogenen Quality of Life Index (Qol) und des International Index of Erectile Function (IIEF) bestimmt. Die Nachbeobachtungszeit betrug 7 Monate im Median (4 - 15 Monate).

Ergebnisse

Präoperativ hatten 10 Männer (47,6%) keine Miktionsunregelmässigkeiten;15 (71,4%) im Alter von 60 Jahren (29 - 70 Jahre) waren potent. Bei 18 Patienten (85,7%) wurden die autonomen Nerven intraoperativ dargestellt. Nach beidseitiger intraoperativer Neurostimulation der Nn. splanchnici pelvici wurde bei 16 Patienten (76,2%) ein intravesikale Druckanstieg gemessen. Bei 4 Patienten (19%) ergab das Neuromonitoring einer Beckenseite und bei 1 (4,8%) Patienten beider Beckenseiten ein negatives Ergebnis. Nach einseitiger Stimulation wurden bei 4 Patienten (66,6%) ein Ereignis peniler Tumescence von 4 bis 16 Minuten Dauer und mittlerer Volumenzunahme von 193% über den Ausgangswert registriert. Bei 2 Patienten mit Überlaufblase war eine Rekatheterisierung notwendig. Ein Patient war über den Entlassungszeitpunkt hinaus katheterpflichtig (neurogene Blase). Zum Verlust erektiler Potenz kam es bei 6 Patienten (40%); 5 der Patienten (33,3%) verloren die Fähigkeit zu Orgasmus und Ejakulation. Komorbidität und Risikofaktoren für sexuelle Funktionsstörungen waren bei allen 6 Patienten zu erheben. Vier Patienten mit positiven Nachweis peniler Tumescence nach intraoperativer Neurostimulation waren postoperativ impotent (einer bereits präoperativ). Zwei präoperativ potente Patienten mit fehlendem Nachweis peniler Tumescence waren postoperativ impotent. Männer mit Verlust der genitalen Funktion (n = 6) hatten im Gegensatz zu den postoperativ potenten Männern (n = 9) (IIEF-impotent 11,5 ± 4,3 vs. IIEF-potent 46,3 ± 19,4; p < 0,001) gehäuft Miktionsstörungen: Neurogene Blase 1 vs. 0; Restharnvolumen vor Entlassung im Median 174 ml vs. 10 ml, p < 0,01; IPSS-total 14 ± 6,4 vs. 2,2 ± 3,5, p< 0,01. Die Ergebnisse des intraoperativen Neuromonitoring differierten ebenso: intravesikale Druckdifferenz 3,0 ± 2,4 cm H2O vs. 9,8 ± 7,6 cm H2O.

Schlussfolgerung

Mit einem Verlust der männlichen Genitalfunktion nach TME und Wahl der extramesorektalen Schicht ist in bis zu 40%, mit Miktionsstörungen in 24% zu rechnen. Es besteht eine enger Zusammenhang zwischen gestörter Blasen- und Genitalfunktion. Die Ergebnisse der intraoperativen Neurostimulation mit simultanem Blasenmonitoring weisen auf die Schädigung der parasympathischen Nerven als Ursache hin.