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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Ätiologie der akuten und chronischen Pankreatitis: wie häufig sind hereditäre Ursachen?

Vortrag

  • presenting/speaker Hans-Ulrich Schulz - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg, Magdeburg, Deutschland
  • A.-K. Böhm - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg, Magdeburg, Deutschland
  • H. Witt - Kinderklinik der Charité, Berlin, Deutschland
  • H. Lippert - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg, Magdeburg, Deutschland
  • W. Halangk - Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Magdeburg, Magdeburg, Deutschland
  • T. Reinheckel - Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung, Universität Freiburg, Freiburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1509

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch191.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Schulz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Mutationen im T4-Gen des kationischen Trypsinogens (PRSS1) sind mit der Entstehung der hereditären Pankreatitis assoziiert. In Europa überwiegen die Mutationen R112H und N29I. Bei den meisten Patienten mit hereditärer oder idiopathischer chronischer Pankreatitis lassen sich jedoch keine PRSS1-Mutationen finden. Im T6-Gen des Trypsinogens kommt die mit hereditärer Pankreatitis assoziierte R122H-Sequenz konstitutiv vor, sie kann im Falle einer Deletion aber völlig fehlen. Der pankreatische sekretorische Trypsin-Inhibitor (SPINK1) ist ein wichtiger Trypsin-Gegenspieler. Auch SPINK1-Mutationen sind als genetischer Risikofaktor für die Entwicklung von Pankreatitiden beschrieben worden. Wir untersuchten die Häufigkeit von PRSS1- und SPINK1-Mutationen sowie den T6-Insertions-Deletions-Polymorphismus in unserem Krankengut akuter und chronischer Pankreatitiden.

Material und Methoden

Von 176 Patienten mit akuter Pankreatitis (AP) und 247 Patienten mit chronischer Pankreatitis (CP) standen Blutproben für eine DNA-Isolierung zur Verfügung. Die relevanten Target-Sequenzen wurden mit Allel-spezifischen PCR-Techniken amplifiziert. Das Screening umfaßte die PRSS1-Mutationen A16V, N29I und R122H, die SPINK1-Mutation N34S und den T6-Insertions-Deletions-Polymorphismus.

Ergebnisse

Es wurden 17 Patienten mit CP (16 Erwachsene, 1 Kind) und 8 Erwachsene mit AP als heterozygote Träger der SPINK1-Mutation N34S identifiziert. Bei einem 12jährigen Mädchen mit chronischer Pankreatitis konnten wir die R122H-Mutation im PRSS1-Gen nachweisen. Die anderen Mutationen kamen in unserem Krankengut nicht vor. Die Insertion im T6-Trypsinogen-Gen, die die R122H-Sequenz konstitutiv enthält, beobachteten wir gehäuft bei Männern mit Alkohol-induzierter CP (p=0,052). Ihre Allelfrequenz betrug 0,55.

Schlussfolgerung

Mutationen im SPINK1- und insbesondere im PRSS1-Gen stellen eine seltene Ätiologie entzündlicher Pankreaserkrankungen dar. Betroffene Allelträger haben jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer akuten oder chronischen Pankreatitis zu erkranken. Das homozygote Vorhandensein der R122H-enthaltenden Insertion im T6-Trypsinogen-Gen scheint eine hereditäre Prädisposition für die Entstehung einer CP darzustellen, wenn Alkohol als exogener Faktor hinzu kommt.