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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Indikationsstellung und Verlauf bei der totalen pelvinen Exenteration

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  • presenting/speaker Ulrich Pontenagel - Chirurgische Klinik Krankenhaus Gerresheim, Düsseldorf, Deutschland
  • B. Ulrich - Chirurgische Klinik Krankenhaus Gerresheim, Düsseldorf, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1524

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch092.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Pontenagel et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Die totale pelvine Exenteration stellt eine chirurgische Ultima ratio zur Behandlung von fortgeschrittenen bzw. rezidivierten Karzinomen des kleinen Beckens dar, bei denen bisher meist therapeutischer Nihilismus überwog oder ausschliesslich bestrahlt wurde. Das Patientekollektiv ist heterogen. Bei der grossen Mehrheit handelt es sich um Rezidive colorektaler Eingriffe oder um fortgeschrittene Primärtumore. Diese Therapie ist durch das Patientengut an sich und die operative Interdisziplinarität (Urologie, Gynäkologie) als sehr anspruchsvoll anzusehen.

Material und Methoden

Präsentiert werden die Ergebnisse einer Follow-up Untersuchung an insgesamt 34 Patienten die zwischen 1988 und heute total pelvin exenteriert wurden. Es wurden nur Patienten erfaßt, bei denen gleichzeitig zumindest eine Resektion von Mastdarm und Harnblase erfolgte.

Ergebnisse

Präsentiert werden die Ergebnisse einer Follow-up Untersuchung an insgesamt 34 Patienten die zwischen 1988 und heute total pelvin exenteriert wurden. Es wurden nur Patienten erfaßt, bei denen gleichzeitig zumindest eine Resektion von Mastdarm und Harnblase erfolgte. Die bereits 1996 in einem Zwischenbericht (Der Chirurg) veröffentlichten Daten mit 18 Patienten wurden aktualisiert und insbesondere bezüglich der Langzeitüberlbensrate bei nun deutlich verlängertem Nachbeobachtungszeitraum erneut untersucht. Seit 1996 konnten 16 Patienten retrospektiv neu in die Untersuchung aufgenommen werden und bezüglich der Parameter Indikation, Grunderkrankung mit Staging, Alter, Beobachtungszeitraum, Mortalität, Morbidität, Komorbidität, Komplikationen (operativ / postoperativ), Aufenthaltsdauer, Op-Indikation, Harnableitung, Lebensqualität u.a. analysiert werden. Dies wurde v.a. durch ein standardisiertes Tumornachsorgeprogramm möglich.

Schlussfolgerung

Die pelvine totale Exenteration betrifft in der Regel Patienten mit Rezdivitumoren und ist ein den Patienten stark traumatisierender Eingriff zumeist mit Anlage zweier endständiger Stomata. Dies erklärt die relativ niedrigen in der Literatur veröffentlichten Patientenzahlen und eine gewisse Selektion des Patientengutes wobei als Kontraindikation zum Eingriff die allgemeine Inoperabiliät oder eine Lebenserwartung von unter 6 Monaten zu nennen ist. Etwa 50-60% aller präoperativ als T4 angesehenen Tumore überschreiten die Organgrenzen tatsächlich. Eine Monobloc Resektion scheint in den meisten Fällen möglich und die Radikalität sollte in jedem Fall vor der Erhaltung von Organfunktionen stehen. In diesem Zusammenhang soll darauf hingewiesen werden, dass beispielsweise Patienten mit fortgeschrittenem Rektumcarzinom und negativem Lymphknotenstatus, bei denen die Blase belassen wurde im Vergleich zu Patienten mit negativem Lymphknotenstatus und Entfernung der Harnblase, eine signifikant niedrigere 5-Jahresüberlebensrate trotz einer R0 Resektion in beiden Fällen aufweisen. Ähnliche Unterschiede bezüglich der Überlebensraten werden bei Belassung der Prostata aufgezeigt. Dies macht nochmals die anspruchsvolle interdisziplinäre präoperative Diagnostik, Patientenselektion und Operationsplanung deutlich. Die o.g. Untersuchung soll Ergebnisse und Erfahrung bezüglich der oft schwierigen Indikationsstellung, der Lebensqualität, der Letalität und Morbidität unter Berücksichtigung des Patientalters und präoperativem Staging am eigenen Patientengut aufzeigen. Danach ist therapeutischer Nihilismus nicht länger angezeigt.