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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Langzeitergebnisse nach Polytrauma im fortgeschrittenem Alter : ein ernüchterndes Resultat

Vortrag

  • presenting/speaker Ralph Peter Zettl - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinik Essen, Essen, Deutschland
  • G. Taeger - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinik Essen, Essen, Deutschland
  • C.A. Kühne - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinik Essen, Essen, Deutschland
  • D. Nast-Kolb - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinik Essen, Essen, Deutschland
  • S. Ruchholtz - Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Universitätsklinik Essen, Essen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch0773

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch059.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Zettl et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Aufgrund optimierter Diagnose- und Therapieverfahren, sowie interdisziplinärem Management bei der Intensivtherapie überleben immer mehr Patienten im fortgeschrittenem Alter ein schweres Trauma. Ziel der vorliegenden prospektiven Studie ist die poststationäre Versterbensrate sowie die Lebensqualität der Überlebenden mit fortgeschrittenem Alter exakt 2 Jahre nach Polytrauma zu analysieren.

Material und Methoden

Im Rahmen einer prospektiven Studie wurden sämtliche Daten schwerverletzter Patienten welche zwischen 5/1998 und 4/2000 über den Schockraum der Klinik aufgenommen wurden ausgewertet und die Patienten exakt 2 Jahre nach dem Trauma nachuntersucht. Zur Feststellung der poststationären Sterblichkeitsrate wurden Hausärzte und Meldeämter kontaktiert. Die Überlebenden wurden nach einem standardisiertem Protokoll nachuntersucht. Zur Erfassung der Lebensqualität kam die von der AG Polytrauma der DGU entwickelte POLO-Chart zur Anwendung. Zur altersabhängigen Analyse wurden die Patienten über 55 Jahren analysiert (Gruppe1) und mit dem Restkollektiv (Gruppe 2) verglichen.

Ergebnisse

Im Untersuchungszeitraum von 2 Jahren konnten 482 Patienten prospektiv dokumentiert werden, die die Aufnahmekriterien der DGU erfüllten. Die durchschnittliche Verletzungsschwere lag bei einem ISS (Injury Severity Score) von 24 Punkten. Das Durchschnittsalter lag bei 39 Jahren. 25% (120) der Patienten waren zum Unfallzeitpunkt bereits im Alter von über 55 Jahren (im Durchschnitt 69 Jahre). Die Geschlechterverteilung mit 1:2 zeigt dass auch beim älteren Traumapatienten deutlich mehr Männer betroffen sind. 2 Jahre nach Unfall waren 69 (58%) Patienten aus Gruppe 1 (ISS = 28) verstorben, während in Gruppe 2 (ISS = 23) nur 16% verstarben. In Gruppe 1 verstarben 22 Patienten (18%) primär innerhalb von 48 Stunden, weitere 20 (17%) innerhalb der ersten 90 Tage und im 2-Jahresverlauf weitere 27 Patienten (23%). Die Letalität stieg von 58% (69/120) bei den über 55-Jährigen auf 74% (48/65) bei den über 65-Jährigen bis auf 88% (30/34) bei den über 75-Jährigen.Das Followup nach 2 Jahren konnte bei den älteren Patienten in 69% der Fälle (35 nachuntersuchte Überlebende) und bei den unter 55-Jährigen in 61% (186 nachuntersuchte Überlebende) durchgeführt werden. Entsprechend dem Glasgow Outcome Score (GOS) galten bei den über 55-Jährigen 49% als komplett rehabilitiert (GOS = 1), während es bei den unter 55-Jährigen 72% waren. 40% der nachuntersuchten Patienten über 55 Jahren galten als pflegebedürftig (GOS 3+4), während es bei den unter 55-Jährigen nur 7,5% waren. Bei den 5 Untersuchungsqualitäten des Euro-Quol (Mobilität, Selbstversorgung, Alltagsaktivitäten, Schmerzen und Angst) zeigten sich vor allem bei der Mobilität (57% vs 34%) und der Selbstversorgung (43% vs 16%) deutlich schlechtere Ergebnisse bei den Patienten im fortgeschrittenem Alter mit mäßigen bis massiven Einschränkungen.

Schlussfolgerung

Die extreme Diskrepanz zwischen der 2-Jahres Sterblichkeit von Patienten unter 55 Jahren und über 55 Jahren bestätigt den Prognosefaktor des Alters beim Traumapatienten. Nicht nur die Akutphase kann im Alter schlechter kompensiert werden, auch in der Regenerationsphase sind diese Patienten vermehrt vital bedroht und häufig pflegebedürftig. Bei den überlebenden Patienten im fortgeschrittenem Alter sind aber die Hälfte der Patienten nach 2 Jahren soweit voll rehabilitiert, dass das Niveau vor dem Unfall wieder erreicht ist.