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121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie

27. bis 30.04.2004, Berlin

Stimulation des Aktin-Metabolismus ist ein Schlüsselmechanismus des Kollateralwachstums nach Gefäßverschluss: Bedeutung einer permanenten Erhöhung der longitudinalen Schubspannung

Vortrag

  • presenting/speaker Farzin Adili - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie des Zentrums der Chirurgie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität , Frankfurt
  • F. Pipp - Max-Planck-Institut für Physiologische und Klinische Forschung, Bad Nauheim
  • R.-G. Ritter - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie des Zentrums der Chirurgie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität , Frankfurt
  • T. Schmitz-Rixen - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie des Zentrums der Chirurgie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität , Frankfurt
  • B. Ziegler - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie des Zentrums der Chirurgie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität , Frankfurt
  • G. Karanovic - Schwerpunkt Gefäß- und Endovascularchirurgie des Zentrums der Chirurgie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität , Frankfurt
  • S. Böhm - Max-Planck-Institut für Physiologische und Klinische Forschung, Bad Nauheim
  • W. Schaper - Max-Planck-Institut für Physiologische und Klinische Forschung, Bad Nauheim

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Berlin, 27.-30.04.2004. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2004. Doc04dgch1000

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dgch2004/04dgch023.shtml

Veröffentlicht: 7. Oktober 2004

© 2004 Adili et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Das Kollateralwachstum (Arteriogenese) stellt die bedeutendste gewebe- und organerhaltende Anpassung des Organismus an einen Gefäßverschluss dar. Durch exogene Stimulation mit Wachstumsfaktoren lässt sich maximal 40% der Ausgangskonduktanz eines verschlossenen Blutleiters wiederherstellen. Das vorliegende Experiment wurde konzipiert, um die Bedeutung einer anhaltenden Erhöhung der Schubspannung, die als potenteste Triebfeder des Kollateralwachstums gilt, auf das Ausmaß der Arteriogenese zu untersuchen und den zugrundeliegenden Mechanismus aufzudecken.

Material und Methoden

Bei 20 Hausschweinen wurde 1 Woche nach bilateraler Akutligatur der A. femoralis superficialis, unilateral eine Seit-zu-Seit AV-Fistel zwischen distaler A. femoralis und der Begleitvene angelegt. Nach einer weiteren Woche wurden invasiv der Blutfluss in beiden drainierenden Vv. iliacae sowie die arteriellen Blutdrucke proximal und distal des Verschlusses in Ruhe und bei reaktiver Hyperämie gemessen und der fraktionale Kollateralfluss (FCF) errechnet. Darüber hinaus erfolgten eine intra-arterielle Substraktionsangrafie zur morphometrischen Analyse der Kollateralen, MR-Angiografie zur Referenzflussmessung, Konfokale Immunhistochemie (Ki-67; eNOS, α -Aktin, Lektin) sowie Vaskuläre Proteomik (2D-PAGE, differentielle Expressionsanalyse) und Northern Blot für Destrin, Cofilin 1; Cofilin 2 und Transgelin 2.

Ergebnisse

Aktuligatur und Shuntanlage wurden ohne Hinweise auf eine Ischämie oder Steal von den Tieren gut toleriert. Die Zahl der Kollateralen und der Blutfluss hatte sich auf der Shuntseite (S) gegenüber der Kontrollseite (C) mehr als verdoppelt (p<0,001; t-Test). Ebenso war der mittlere FCF bei S signifikant erhöht (p<0,01). Immunhistochemisch fand sich eine vermehrte Expression von eNOS in Kollateralen bei C und S gegenüber normalen Arteriolen, sowie eine erhöhte Zahl Ki67-positiver glatter Muskel- und Endothelzellen und eine vermehrte Expression von α-Aktin und Lektin bei S. Von den mehr als 50/1000 signifikant verändert exprimierten Proteinen waren besonders ausgeprägt Expressionsänderungen bei Cofilin 1, Cofilin 2, Transgelin 2 und Destrin, auf der Shuntseite.

[Tab. 1]

Schlussfolgerung

Die langanhaltende Erhöhung der Schubspannung in den Kollateralgefäßen führt zur bisher stärksten nachweisbaren Stimulation von Arteriogenese mit nahezu vollständiger Wiederherstellung der Ausgangskonduktanz. Hierbei spielt eine differentielle Beeinflussung der Steuerungs- und Funktionsproteine des Aktinmetabolismus eine Schlüsselrolle.