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29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2011)

12.01. - 15.01.2011, Grindelwald, Schweiz

Die posttraumatische Cholangiohepatopathie als Komplikation bei Brandverletzten

Meeting Abstract

  • A. Ring - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland
  • A. Kolbe - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland
  • A. Stachon - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland
  • D. Tilkorn - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland
  • L. Steinsträßer - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland
  • S. Langer - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland
  • H.-U. Steinau - BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, RUB, Bochum/Deutschland

DAV 2011. 29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Grindelwald, Schweiz, 12.-15.01.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dav52

DOI: 10.3205/11dav52, URN: urn:nbn:de:0183-11dav521

Veröffentlicht: 21. Juni 2011

© 2011 Ring et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Auffällige laborchemische Verläufe bei Schwerbrandverletzten mit progredientem Anstieg der Cholestaseparameter bei moderat erhöhten Transaminasen, die im Rahmen der Intensivtherapie bei bis dahin Lebergesunden beobachtet wurden, haben zur nachfolgenden Analyse geführt.

Methoden: Laborchemische Daten von 1020 Schwerbrandverletzten (1999–2009) wurden nachuntersucht. Bei 2.9% wurde ein progredienter Anstieg von •GT und Bilirubin identifiziert. Dieses Patientenkollektiv (n=30, Durchschnittsalter 44,3 Jahre, schwere Verbrennung (2–3°), 39% der KOF, mittl. Verbrennungsindex 83,87, mittl. ABSI-Score 8,53) wurde detaillierten Analysen bzgl. Volumen- und Katecholamintherapie, Transfusion von Blutprodukten, enteraler und perenteraler Ernährungstrategie, Beatmungsregimes, Blutgasanalysen, Keimspektrums, antibiotischer Behandlung u.a. unterzogen.

Resultate: Nach durchschnittlich 9,1 Tagen entwickelte sich bei allen ein für das Kollektiv charakteristischer Verlauf, d.h. Ausbildung eines Ikterus begleitet von einer massiven Erhöhung der Cholestaseparameter. Es waren Serum-Bilirubin-Konzentrationen bis zu 20 mg/dl verzeichnet worden. Die •GT-Werte überschritten die Normwerte im Durchschnitt nach 7,4 Tagen und zeigten Werte bis 1209 U/L. Cholezysto- bzw. Choledocholithiasis wurde ausgeschlossen. Bei drei Patienten wurde eine sekundär sklerosierende Cholangitis (SSC) durch eine ERCP diagnostiziert. Bei 15 Patienten wurde ein Inhalationstrauma (IHT) diagnostiziert. In sämtlichen Fällen wurde der Verlauf durch eine Pneumonie kompliziert. Es ließen sich erhöhte Infektparameter nachweisen. Am ersten Behandlungstag wurde eine Volumengabe im Mittel von 14,03 L dokumentiert. Die mittl. Beatmungsdauer belief sich auf 30,6 Tage. Die Patienten wurden im Verlauf durchschnittlich 4,4 chirurgischen Eingriffen (Nekrektomie, Spalthautverpflanzung, Tracheotomie) unterzogen.

Schlussfolgerung: Die SSC, eine Erkrankung mit ungünstiger Prognose aus dem Spektrum der "vanishing bile duct disorders", wird u.a. bei polytraumatisierten Patienten beobachtet. Erste Ergebnisse unserer Analyse deuten auf eine multifaktorielle Genese der posttraumatischen Cholangiohepatopathie hin. Die bereits präklinisch eingesetzte Gewebshypoxie ist als mitverursachend anzusehen. Der überwiegende Teil der Patienten wurde erst bei Ankunft in der Klinik intubiert. Bei diesen Patienten betrug die Transportdauer vom Unfallort über 30 min bi hin zu 3,5 h. Im Weiteren muss die prolongierte posttraumatische Oxygenierungsstörung bei IHT, Pneumonie und VILI als Ursache diskutiert werden. Als zusätzliche potentielle Faktoren müssen Splanchnicus-Minderperfusion und toxische Einflüsse berücksichtigt werden.