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29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2011)

12.01. - 15.01.2011, Grindelwald, Schweiz

Auf der Suche nach der Wundersalbe – Auswertung der Paulinchenumfrage zur Narbenpflege

Meeting Abstract

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  • A. Gottwald - Paulinchen - Initiative für brandverletzte Kinder e.V., Norderstedt, Deutschland

DAV 2011. 29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Grindelwald, Schweiz, 12.-15.01.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dav10

DOI: 10.3205/11dav10, URN: urn:nbn:de:0183-11dav109

Veröffentlicht: 21. Juni 2011

© 2011 Gottwald.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Immer wieder wird uns in Beratungsgesprächen die Frage nach einer „Wundersalbe“ gestellt, die alle Narben verschwinden lässt. Um herauszufinden, welche Produkte von den Kliniken zur Narbenpflege empfohlen werden, ob sich die Familien mit brandverletzten Kindern an diese Empfehlungen halten und welche Gründe es gibt, ein Produkt zu wechseln, hat Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V. eine Umfrage bei Kliniken, die brandverletzte Kinder behandeln und Familien mit brandverletzten Kindern durchgeführt.

Methoden: 46 Kliniken haben einen Fragebogen ausgefüllt, 217 Familien haben die Umfrage beantwortet. Dies bedeutet einen Rücklauf bei den Kliniken von 52,85% und bei den Familien von 49,7%. Diese Fragebögen wurden ausgewertet und die Ergebnisse miteinander verglichen.

Resultate: Die Auswertung zeigt, dass die Empfehlungen der Kliniken nur teilweise von den Eltern beibehalten werden. Die Kliniken empfehlen zu 23% einen Wechsel des Produkts nach einem gewissen Zeitraum, während über 60% der Eltern angeben, das Produkt im Laufe der Nachbehandlung gewechselt zu haben. Über 100 verschiedene Produkte wurden in der Umfrage als „ausprobiert“ benannt. Bei 63% war eine andere Empfehlung Grund für einen Wechsel, bei (nur) 11% waren finanzielle Gründe ausschlaggebend. Die Familien fragen überall, wo sie sich mit den brandverletzten Kindern zu Therapien usw. aufhalten nach weiteren Empfehlungen. 31% der Produkte, auf die die Eltern schwören, kommen aus dem Bereich „pflanzlich, homöopathisch“ und Öle, 22% sind kosmetische Produkte. Die Produkte, die von den Kliniken empfohlen werden kosten zwischen 2 und 450 Euro.

Schlussfolgerung: Die Familien suchen sofort nach Klinikentlassung nach dem „besten“ Produkt, das alle Narben verschwinden lässt. Sie fragen überall nach neuen, vermeintlich besseren Empfehlungen. Wichtig ist, dass die Eltern in der Beratung zur Nachsorge erfahren, dass es keine Wundersalbe gibt und dass Narben nicht weg zu cremen sind. Sie müssen lernen, dass mit gut sitzender Kompression in Kombination mit Narbenpflege das bestmögliche Narbenbild zu erzielen ist. Es ist immens wichtig, dass die Eltern verstehen, warum eingecremt werden muss. Wir als Behandler und Berater müssen uns fragen, ob wir (teure) Produkte besonders empfehlen dürfen, solange es keine vergleichenden Studien gibt.