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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Off Label Use von Colistin in der Verbrennungschirurgie

Meeting Abstract

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  • corresponding author Kai Megerle - BG Unfallklinik Ludwigshafen, Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirugie, Schwerbrandverletzenzentrum, Ludwigshafen, Deutschland
  • H. Ryssel - BG Unfallklinik Ludwigshafen, Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirugie, Schwerbrandverletzenzentrum, Ludwigshafen, Deutschland
  • G. Germann - BG Unfallklinik Ludwigshafen, Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirugie, Schwerbrandverletzenzentrum, Ludwigshafen, Deutschland
  • S. Hellmich - BG Unfallklinik Ludwigshafen, Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirugie, Schwerbrandverletzenzentrum, Ludwigshafen, Deutschland

DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav40

DOI: 10.3205/10dav40, URN: urn:nbn:de:0183-10dav400

Veröffentlicht: 30. Juni 2010

© 2010 Megerle et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Resistenzentwicklung ist ein systemimmanentes Problem in der Verbrennungschirurgie. Besonders multiresistente gramnegative Keime wie Acinetobacter baumannii und Pseudomonas aeruginosa stellen dabei eine Herausforderung dar. Erschwert wird die Behandlung durch die limitierte Anzahl an wirksamen Antibiotika. Häufig kann nur durch eine Kombination verschiedener Wirkstoffe eine Infektion beherrscht werden. Sensibel ausgetestet zur Monotherapie werden in diesen Fällen häufig Polymyxin B und Colistin-Antibiotika, welche auf dem deutschen Markt nicht zur systemischen Therapie zugelassen sind.

Material und Methode: Im Jahr 2009 wurde bei zwei Patienten auf unserer Verbrennungsintensivstation das Reserveantibiotikum Colistin (COLY-MYCIN®) zur systemischen Therapie von schweren Infektionen mit multiresistenten Keimen eingesetzt.

Ergebnisse: Bei einem 60-jährigen Patienten mit einer VKOF vom 59% (ABSI 10) lag eine schwere Sepsis vor. Das Trachealsekret und die Blutkultur zeigten massenhaftes Wachstum von hochresistenten Pseudomonas-Stämmen. In einer Kombinationsaustestung konnte bei keiner Antibiotika-Kombination ein synergistischer Effekt zur Verhinderung des Keimwachstums nachgewiesen werden. Unter Behandlung mit Colistin für 18 Tage stabilisierte sich der Allgemeinzustand des Patienten und er konnte nach 67 Tagen aus dem Kranken entlassen werden. Bei dem zweiten Patienten handelte es sich um einen 24-jährigen Patienten mit Lichtbogenverbrennung und Stromdurchfluss. Insgesamt waren 62% VKOF betroffen (ABSI 11). Bei schweren Weichteilschäden am Bein erfolgte die Deckung durch eine freie ALT-Lappenplastik 31 Tage nach primärem Trauma. Zu diesem Zeitpunkt lag bereits eine Besiedelung mit multiresistenten Pseudomonaden vor. Bei chirurgisch kaum beherrschbarer Infektion des Beines und beginnenden Sepsiszeichen drohte die Amputation der Extremität. Es wurde eine systemische Therapie mit Colistin für 8 Tage durchgeführt. Das Bein konnte erhalten werden und der Patient wurde nach 86 Tagen Behandlung in eine Reha-Einrichtung entlassen.

Diskussion: Die Entwicklung von neuen potenten Antibiotika bleibt hinter der Resistenzentwicklung der Bakterien zurück. Aus Ermangelung an Alternativen erleben Polymyxine, vor allem das Polymyxin E (=Colistin) seit einigen Jahren eine Renaissance. Die Datengrundlage zum Einsatz dieser Medikamente verbessert sich. In den USA wird es auf Verbrennungsintensivstationen regelmäßig eingesetzt. Diskutiert werden Gefahren, Nebenwirkungen und Indikationen dieser Behandlung. Die rechtlichen Grundlagen bei dem Einsatz von Off label Use-Medikamenten werden dargestellt.