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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Künstliches Koma und Durchgangssyndrom – umfassende und wiederholte Aufklärung Angehöriger und Patienten hilft heilen

Meeting Abstract

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DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav39

DOI: 10.3205/10dav39, URN: urn:nbn:de:0183-10dav396

Veröffentlicht: 30. Juni 2010

© 2010 Lubosch.
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Gliederung

Text

In den vergangenen fünf Jahren seit Gründung von Cicatrix. e.V. – Gemeinschaft für Menschen mit Verbrennungen und Narben standen im Mittelpunkt der ersten Gespräche von hilfesuchenden Angehörigen immer wieder Fragen nach künstlichem Koma und Durchgangssyndrom.

Wir halten die ausführliche Aufklärung der Angehörigen und wiederholte, behutsame Gespräche mit dem Patienten für notwendig, denn eine einmalige Erklärung und Besprechung des Themas reicht nicht aus.

Die Begriffe künstliches Koma und Durchgangssyndrom fallen zwar in Arztgesprächen werden aber oft nicht oder missverstanden. Die Unsicherheit überträgt sich leicht auf den Patienten, der selbst auch nicht einzuordnen weiß, was mit ihm los ist im Durchgangssyndrom. Er kann oft selbst nicht mehr einordnen was er nun wirklich erlebt oder gesagt hat oder was in dieser Zwischenwelt zwischen wach sein und träumen stattfand.

Weitere Belastung können sind die häufig durchlittenen Alpträume, die eben nicht denen gleichen, die vorher schon erlebt wurden.

Die Träume im künstlichen Koma spielen häufig im bekannten realen Umfeld und gleichen einem Horrorfilm oder Psychothriller vom Genre Stephen King in dem der Patient die Hauptrolle spielt als Opfer oder schlimmer noch als Täter.

In vielen endlosen Stunden, die der Patient im Krankenhausbett liegt, wird über diese Erfahrungen gegrübelt und nach Ursachen und Auslösern gesucht, aber eben nicht oder selten darüber gesprochen. Die Beschäftigung der Gedanken damit zieht notwendige positive Energien ab, die der Patient eigentlich bräuchte um zu heilen an Körper und Seele.

Es gibt Patientenaussagen, die diese Träume als ein schlimmeres Trauma empfinden, als den Brandunfall selbst. Es gibt Aussagen über den Zusammenhang von erfolgreicher, fast kompletter Schmerzausschaltung mit weniger heftig und häufig auftretenden posttraumatischen Belastungsstörungen. Offensive, frühe, wiederholte und behutsame Thematisierung von Tr äumen und „Erlebnissen“ während des künstlichen Komas und Durchgangsyndroms kann ebenfalls dazu beitragen, dass eine weitere mögliche Ursache für ein PTBS abgemildert wird.

Innerhalb des Burnteams sollte eine Person für diesen Themenkomplex bestimmt und die Ausführung dokumentiert werden. Eine aufklärende Broschüre für die Angehörigen sollte entwickelt werden, damit die gehörte Information nachgelesen und verstanden werden kann.

Ein Beispiel: Dr. Andreas Zieger, Neurologe am Ev. Krankenhaus Oldenburg veröffentlicht u.a. im Internet unter http://www.a-zieger.de/Dateien/Wachkoma/Angehoerigen-Broschuere.pdf Informationen und Hinweise für Angehörige von Schädel-Hirn-Verletzten und Menschen im Koma und Wachkoma (sog. apallisches Syndrom). Eine solche Broschüre zu den Themen künstliches Koma und Durchgangssyndrom sollte Angehörigen standardmäßig zur Verfügung gestellt werden und in den Wartebereichen ausliegen, ebenso wie schriftliche Informationen zu Narbenbehandlung, Kompression und die Hinweise auf die Selbsthilfeorganisationen für Kinder und Erwachsene.