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28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2010)

13.01. bis 16.01.2010, Schladming, Österreich

Der Einsatz des alloplastischen Epithelersatzes Suprathel® bei großflächigen gemischt 2.-gradigen Verbrennungen über 25% KOF – das Stuttgarter Konzept

Meeting Abstract

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  • corresponding author Matthias Rapp - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Stuttgart, Deutschland
  • Faraby-Fabian Al-Shukur - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Stuttgart, Deutschland
  • Ulrich Christoph Liener - Marienhospital Stuttgart, Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wiederherstellungschirurgie, Zentrum für Schwerbrandverletzte, Stuttgart, Deutschland

DAV 2010. 28. Jahrestagung der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Schladming, Österreich, 13.-16.01.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. Doc10dav18

DOI: 10.3205/10dav18, URN: urn:nbn:de:0183-10dav189

Veröffentlicht: 30. Juni 2010

© 2010 Rapp et al.
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Gliederung

Text

Ziel: Brandverletzte, die sich eine Verbrennung oder Verbrühung über eine Fläche von 25% KOF oder mehr zuziehen, erleiden obligat eine Verbrennungskrankheit. Dies führt dazu, dass bei diesen Patienten durch instabile Kreislaufverhältnisse eine zusätzliche Schädigung der verbrannten Oberfläche im Rahmen der ersten Tage auftreten kann. Daher müssen auch gemischt oberflächliche bis tief dermale thermische Verletzungen mit großer Ausdehnung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt adäquat behandelt werden, um unnötige Spalthauttransplantationen zu vermeiden. Für diese Indikation eignet sich der temporäre Epithelersatz Suprathel besonders.

Patienten und Methoden: Zwischen 2005 und 2008 wurden in unserer Schwerbrandverletzteneinheit 13 Patienten mit gemischt 2.-gradigen Verbrennungen und Verbrühungen über 25% und mehr Körperoberfläche ohne Spalthauttransplantationen behandelt.

Es handelte sich um 11 Männer und 2 Frauen mit einem mittleren Alter von 46,0 Jahren (Range 22–78 Jahre). Die verbrannte Körperoberfläche betrug zwischen 25% und 95% mit einem Mittelwert von 36,0%. Als Unfallmechanismus wurden 7x eine Flammenverbrennung, 5x eine Verbrühung und 1x eine Lichtbogenverbrennung registriert. Der ABSI war im Mittel 7,5 mit einer Spannbreite von 5 bis 12. Die durchschnittliche Verweildauer betrug zwischen 16 und 69 Tagen (Mittelwert 35,6 Tage)

Bei 12 Patienten wurde Suprathel zwischen 0 und 2 Tagen nach den Trauma im Rahmen eines Debridements aufgelegt. Lediglich bei einem Patienten mit Verbrühungen über 95% KOF wurden zwischen Tag 1 und Tag 4 bei insgesamt 3 operativen Maßnahmen Suprathel am ganzen Körper über insgesamt circa 2 qm² Oberfläche aufgelegt.

Ergebnisse: Bei 10 Patienten kam es zu einer Reepithelialisierung der Verbrennungswunden ohne weitere operative Maßnahmen innerhalb der ersten 4 Wochen. Bei zwei Patienten mit 25% KOF und 33% KOF musste eine Fläche von jeweils 4% KOF und 7% KOF mit teilweise drittgradigen Verbrennungsanteilen mit Meshgraft-Transplantaten gedeckt werden. Bei dem Patienten mit Verbrühungen über 95% KOF heilten unter Suprathel 90% KOF der ursprünglich verletzen Fläche stabil innerhalb von 30 Tagen ab. Am Tag 31 wurden CEA bei diesem Patienten auf 5% KOF Restdefekte transplantiert. Die dann noch verbliebenen offenen Stellen heilten spontan innerhalb weiterer 4 Wochen ab. Nur 5 der 13 Patienten benötigten auf Grund der Hypertrophieneigung einzelner Narbenflächen eine Kompressionsbehandlung.

Schlussfolgerung: Der temporäre Epithelersatz Suprathel eignet sich gut, um großflächige Verbrennungsareale mit gemischt 2.-gradigen Anteilen zu behandeln. Durch die Membraneigenschaften und die Zusammensetzung von Suprathel aus Polylactid kommt es zu einer raschen und stabilen Epithelialisierung, so dass nur in einzelnen Fällen gezielt nach transplantiert werden muss. Die hypertrophe Narbenbildung ist unter Suprathel gering ausgeprägt.