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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Die chirurgische Behandlung von erwachsenen Schwerbrandverletzten mit über 60% betroffener Körperoberfläche: das Wiener Behandlungskonzept

Meeting Abstract

  • D. B. Lumenta - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien
  • L. P. Kamolz - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien
  • P. Metnitz - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien
  • J. Roka - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien
  • M. Frey - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav56

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav56.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Lumenta et al.
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Gliederung

Text

Obwohl die Überlebenswahrscheinlichkeit von Schwerbrandverletzten in den letzten Jahrzehnten auch aufgrund der frühzeitigen Nekrosektomie mit konsekutiver Deckung deutlich gestiegen ist, stellt die Behandlung von sehr großflächigen Verbrennungen (>60% Körperoberfläche) immer noch erhebliche Anforderungen an das behandelnde Ärzteteam. In der Behandlung dieser Schwerstbrandverletzter haben sich in den unterschiedlichen Zentren im deutschsprachigen Raum unterschiedliche chirurgische Therapiekonzepte etabliert. Ziel dieses Vortrages ist es unser Behandlungsschema von Schwerbranntverletzten mit über 60% betroffener Körperoberfläche exemplarisch anhand von vier Patienten vorzustellen und somit zur Diskussion zu stellen.

Neben einer standardisierten intensivmedizinischen Akut- Versorgung werden an unserem Zentrum 2b-3° Verbrennungswunden initial mit Flammazine® behandelt, sicher drittgradige Areale, die nicht im Rahmen der ersten OP nekrosektomiert werden können oder sollen, werden zunächst mit Flammazerium® behandelt. Sind bei den 2b und 3° Verbrennungen auch der Rücken und das Gesäß involviert, werden die Wunden, wenn möglich, in einem wasserdampfdurchlässigen mit Mikroglaskugeln betriebenen Luftzirkulationsbett (KCI FluidAir® Elite) zur späteren Nekrosektomie offen vorbehandelt. Auch postoperativ kommen diese Patienten, wenn möglich, wieder in dieses Bett.

Ziel der operativen Behandlung ist es, die Nekrosen (Ausnahme Rücken und Gesäß) innerhalb von zehn Tagen abzutragen und zu decken. Autolog gedeckt werden zunächst die 3° Areale, bei denen Spalthaut-Transplantate erfahrungsgemäss eine gute Anheilungsrate aufweisen oder von großer ästhetischer und funktioneller Bedeutung sind (obere Extremität, Gesicht, ventraler Thorax, ventrales Abdomen, Unterschenkel, ventraler Oberschenkel). Die übrigen 3° Bereiche werden mittels Spenderhaut zunächste präkonditioniert und zu einem späteren Zeitpunkt gedeckt. Als temporäre Deckungsverfahren kommen an unserem Zentrum v.a. die Spenderhaut, aber auch Epigard® (Biovision GmbH) zum Einsatz. Gemeshte Spalthauttransplantate werden bis zu einem Verhältnis von 1:3 häufig in Kombination mit dem VAC-System® (KCI) eingesetzt, bei einem größeren Expansionsverhältnis kommt das Meek®-Verfahren (Humeca) vorrangig zum Einsatz. 2b° Areale werden entweder mit Keratinozyten oder Suprathel® (PolyMedics Innovations) gedeckt.

Neben einer patientenadaptierten chirurgischen und intensivmedizinischen Betreuung kommt aber auch einer frühzeitigen physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Behandlung entscheidende Bedeutung zu.

Diese Strategie hat sich bei der Versorgung von Brandverletzten mit einem Körperflächenausmass von über 60% bewährt und bestätigt, dass Schwerstbrandverletzte von einer patientenzentrierten und interdisziplinären Versorgung profitieren.