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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Chemische Verbrennung beider Hände durch Abbeizerlösung. Eine Einzelfalldarstellung

Meeting Abstract

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  • P. L. Stollwerck - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Sektion Plastische Chirurgie, Handchirurgie und Intensiveinheit für Schwerbrandverletzte, Lübeck

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav48

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav48.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Stollwerck.
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Gliederung

Text

Einleitung: Lokale Verletzungen durch Abbeizerlösungen im Bereich der Hände sind selten und als schwerwiegend einzustufen. Im Rahmen einer Einzelfalldarstellung wird der Verlauf eines 53-jährigen gesunden Patienten ohne Vorerkrankungen mit Verletzungen beider Hände durch Universal-Abbeizer (Inhaltstoffe: n-Butylacetat 25-50%, entaromatisiertes Testbenzin <2,5%, Alkoholpolyglykolether <1,5%) dargestellt.

Bei Reinigungsarbeiten an einer Farbspritzpistole ohne Schutzhandschuhe erfolgte eine etwa dreißigminütige Einwirkzeit der Abbeizerlösung an beiden Händen. Etwa 30 Minuten später klagte der Patient über starke brennende Schmerzen, sowie beginnende Hautmazeration im Bereich der betroffenen Hautareale. Spülmaßnahmen mit klarem Leitungswasser über einen Zeitraum von ca. 2 Stunden erbrachten keine Besserung.

Bei Vorstellung in unserer Notaufnahme ergab sich das Bild einer 1- bis 2a-gradigen Verätzung der gesamten Hohlhand sowie aller Finger links > rechts ohne Blasenbildung mit deutlicher Mazeration, ausgeprägter Verhärtung und Furchenbildung der Epidermis. Die weitere Behandlung erbrachte keine klinischen Hinweise für systemische, toxikologisch relevante dermale Aufnahme der Inhaltsstoffe. Die Erstversorgung erfolgte durch Polyhexanid-Feuchtverband, Schienenruhigstellung und analgetische Therapie. Am Folgetag wurden Blasen an der linken Hand (Hohlhand, Thenar, Phalangen) in Intubationnarkose abgetragen und bei prompter Rekapillarisierung des Wundgrundes ein Hydroklloid-Okklusionsverband angelegt. Wechsel des Hydrokolloidverbandes am 1. postoperativen Tag bei starker Wundsekretion. Nach drei Tagen erfolgte ein erneuter Verbandswechsel bei gut durchbluteter Dermis und mittelgradiger Wundsekretion und bereits beginnender Epithelisierung. Nach Fortführung der Okklusionstherapie für insgesamt 9 Tage kam es innerhalb von 4 Wochen zur vollständigen Abheilung der Wundflächen.

Diskussion: 2a-gradige Verätzungen der Hand durch Abbeizerlösung können nach den Grundsätzen der Behandlung von Verbrennungen behandelt werden. Nach operativen Debridement kann es unter Anwendung von Okklusivverbänden zur vollständigen Abheilung der Wundflächen kommen.