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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Feuerspucken schadet ihrer Gesundheit – 4 Fallbeispiele und Literatur-Analyse zur Behandlung der Feuerschlucker-Lunge

Meeting Abstract

  • Andreas Gohritz - Klinik für Plastische, Hand und Wiederherstellungschirurgie, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Merlin Guggenheim - Klinik für Plastische, Hand und Wiederherstellungschirurgie, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Matthias Aust - Klinik für Plastische, Hand und Wiederherstellungschirurgie, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Pietro Giovanoli - Klinik für Plastische, Hand und Wiederherstellungschirurgie, Medizinische Hochschule, Hannover
  • Peter M. Vogt - Klinik für Plastische, Hand und Wiederherstellungschirurgie, Medizinische Hochschule, Hannover

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav42

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav42.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Gohritz et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Unfälle beim Feuerspucken sind äußerst selten, werden jedoch oft als lebensgefährlich angesehen. Nach Angaben der Literatur besteht das Hauptrisiko neben Verbrennungen im Kopf-Halsbereich durch Aspiration der Brennflüssigkeit, die eine Kohlenwasserstoff-Pneumonitis („Fire eater lung“), akute Alveolitis oder chronische Lungenfibrose verursachen kann.

Ziel: Anhand von 4 Kasuistiken und einer Auswertung von insgesamt 40 in der Literatur beschriebenen Fällen von „Feuerspeier-Lungen“ soll eine Behandlungsrichtlinie für diese spezielle Verletzung entwickelt werden.

Ergebnisse: Bei einer Frau und drei Männern (3 Amateuere, 1 Zirkusschülerin) kam es zweimal durch eine Windböe, je einmal durch Verschlucken oder Husten während des Feuerspuckens zu Verbrennungen von durchschnittlich 5% (maximal 8%) im Kopf-Hals-Bereich und an den Händen. Die stationäre Überwachung lag zwischen 2 und 10 Tagen, eine Augenschädigung oder ein Einatmen des Brandbeschleunigers trat nicht auf.

Die Literatur-Auswertung zur Kohlenwasserstoff-Aspiration beim Feuerschlucken ergab, dass in über 80% Männer und in etwa 50% professionelle Feuerspucker betroffen sind. Beschwerden bestehen fast immer sofort, meist als Fieber und Husten, nach mehr als 24 h als Thoraxschmerz, Dyspnoe und Hämoptysen. Die schwersten Komplikationen traten auf, wenn keine frühzeitige antibiotische Abdeckung erfolgte oder Angaben zur Therapie fehlten.

Schlussfolgerung: Unfälle beim Feuerspucken führten bei unseren 4 Patienten zu mittelschweren Verbrennungen im Gesicht und den Händen, die gefürchtete Komplikation eine Aspirationspneumonitis trat nicht auf. Die Analyse der Literatur über dieses seltene Krankheitsbildes lässt eine frühzeitige Antibiose als dringlich indiziert, eine routinemäßige Kortisongabe jedoch nicht als sinnvoll erscheinen.