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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Objektivierung der %KOF Ermittlung mit BurnCase 3D

Meeting Abstract

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  • J. Dirnberger - Upper Austrian Research GmbH, Abt. f. Medizininformatik, Hagenberg, Österreich
  • M. Giretzlehner - Upper Austrian Research GmbH, Abt. f. Medizininformatik, Hagenberg, Österreich

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav25

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav25.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Dirnberger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die Anzahl der Softwareanwendungen in der modernen Medizin steigt fast täglich. Gerade in der intensiven Verbrennungsbehandlung ist eine Unterstützung der Diagnose und Therapie durch ein entsprechendes Werkzeug von großem Nutzen, da viele Abläufe wie z.B. die Abschätzung des Verbrennungsausmaßes vielerorts immer noch auf Papier durchgeführt werden. Das Softwaresystem BurnCase 3D schafft auf diesem Gebiet Abhilfe und ermöglicht eine schnelle und effiziente Abschätzung des Verbrennungsausmaßes, sowie eine anschließende umfassende Dokumentation des Therapieverlaufs.

Methoden: Die Software erstellt Basis von Patientenparametern wie Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht ein adäquates 3D Modell der Köperoberfläche mit einer Auflösung von unter 1 cm². Die Verbrennungsflächen werden auf diesem Modell im Gegensatz zu herkömmlichen Papiermethoden 3-dimensional erfasst und in Echtzeit sofort vermessen. Dieser Vorgang ist zum einen schneller als das Zeichnen auf Papier, zum anderen wird durch die Modellanpassung und die hohe Auflösung des 3D Modells die subjektive Fehleinschätzung in der Wundflächenbestimmung minimiert. Verbrennungsgrade werden in unterschiedlichen Farben und Mustern dargestellt und können in einem weiteren Schritt als Dokumentation für operative Prozeduren, Verbandsdokumentation oder Pflegeanweisungen zu beliebigen Zeitpunkten im Therapieverlauf herangezogen werden. Die gesamte erfasste 3-dimensionale Oberfläche wird zu frei wählbaren Zeitpunkten zugeordnet und in einer Datenbank abgelegt und kann jederzeit abgefragt werden. Weiters können, basierend auf diesen Flächen, medizinische Scores und Codes automatisch bestimmt werden.

Um die Genauigkeit und Objektivität noch weiter zu erhöhen, wurde ein digitales Bildarchiv in das System integriert, welches es erlaubt, Bilder vom Patienten über das 3D Modell zu blenden und dadurch ein visuelles Feedback über die Korrektheit von Position und Größe der eingezeichneten Wundareale ermöglicht. Durch eine Kombination dieser Bildüberblendung mit modernen Verbrennungstiefenmessverfahren, wie z.B. Laser-Doppler (Moore) oder Lichtspektrumsanalyse (Eisenbeiß, Marotz) kann selbst die Klassifikation der Verbrennungstiefe objektiviert werden. Die automatische Übertragung der klassifizierten Wundflächen vom Foto ist bereits möglich, unter der Voraussetzung, dass die Lage des Patienten auf dem Foto ermittelt werden kann. Dies wird zurzeit durch die Festlegung von markanten Fixpunkten auf dem jeweiligen Foto erreicht. Speziell für diese Anwendung wurde in BurnCase 3D ein darauf aufbauender Algorithmus entwickelt, der das 3D Modell automatisch in die Lage des Patienten auf dem überblendeten Bild bringen kann.

Ergebnisse: BurnCase 3D wird zurzeit in 5 Kliniken in Europa und den USA eingesetzt und ständig weiterentwickelt. Die Software steht in 4 Versionen von einer frei verfügbaren Testversion bis hin zu einer netzwerkfähigen Professional-Version zur Verfügung und kann auf jedem MS Windows System installiert werden. Für einen Mehrbenutzerbetrieb ist auch ein Betreiben einer zentralen Datenbank mit mehreren Arbeitsstationen ist möglich.

Durch die objektivierte Flächenbestimmung, die komplette Dokumentation der gesamten Therapie sowie die automatische Generierung von Scores und Codes bringt der Einsatz von BurnCase 3D eine deutliche Reduktion des Arbeitsaufwands mit sich. Darüber hinaus ergibt die standardisierte Erfassung von Verbrennungsfällen die Möglichkeit von Auswertungen. Eine volle Unterstützung der DAV Multi-Center-Studie wurde ebenfalls implementiert, so dass die Daten für diese Studie per Mausklick zur Verfügung stehen.

Conclusio: Das vorgestellte System kann unabhängig von Land und Institution zur Unterstützung und Verbesserung in der Diagnose und Dokumentation von Verbrennungsverletzungen eingesetzt werden. Durch die Etablierung dieser Software als Standardwerkzeug ließe sich eine ungeheure Menge an wissenschaftlich auswertbaren Daten schaffen, die als Grundlage für Studien und zur Erstellung eines weltweiten Expertensystems für die Verbrennungsbehandlung von Nutzen sein kann. Die Grundlage für eine solche Etablierung ist der flächendeckende Einsatz der Software. Deshalb wurde eine frei verfügbare Testversion erstellt, die von der Homepage http://www.burncase.at kostenlos heruntergeladen und genutzt werden darf."