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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Das erste Buch über Verbrennungen "De Combustionibus" (1607) und sein Autor Wilhelm Fabry "Hildanus" (1560–1634)

Meeting Abstract

  • Marc Busche - Medizinische Hochschule, Hannover
  • Merlin Guggenheim - Medizinische Hochschule, Hannover
  • Max Geishauser - Medizinische Hochschule, Hannover
  • Peter M. Vogt - Medizinische Hochschule, Hannover
  • Andreas Gohritz - Medizinische Hochschule, Hannover

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav10

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav10.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Busche et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das 1607 erschienene „De Combustionibus“ war die erste wissenschaftliche Abhandlung, die sich ausschließlich mit der Klassifikation, Behandlung und Prognose von Verbrennungen befasste.

Ziel der Studie: Dieser Beitrag stellt die Bedeutung dieses genau vor 400 Jahren erschienenen Werkes, den Verfasser und seine bis heute gültigen Erkenntnisse dar.

Ergebnisse: Wilhelm Fabry, in Hilden nahe Düsseldorf geboren (daher latinisiert „Hildanus“), gilt als innovativster und produktivster Wundarzt seiner Zeit. Als Autor von etwa 20 medizinischen Werke, darunter eine Sammlung von über 600 detaillierten Fallberichten („Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuriae“), war er Erstbeschreiber einer Gallenstein-Entfernung, Teilresektion der Leber nach Trauma, Axilladissektion bei Mammakarzinom und Oberschenkel-Amputation bei Überleben des Patienten. Er empfahl bei Amputationen die Absetzung im Gesunden außerhalb der Gangränzone. Hildanus erfand mehr als 200 verschiedene Instrumente und Behandlungsapparate, mit denen er sogar dislozierte Frakturen der Halswirbelsäule therapierte. Mit seiner Frau, der Chirurgin Marie Colinet, entfernte er mit Hilfe von Magneten Metallfremdkörper aus dem Auge und führte mindestens 40 erfolgreiche Kaiserschnitte durch, die sonst – unverändert seit Cäsars Zeiten – meist den Tod der Mutter bedeuteten. Bei schwierigen chirurgischen Problemen empfahl er das Gebet, Anatomie-Studien an Leichen („Von der Fürtrefflichkeit und Nutz der Anatomie“, 1624) oder die Überweisung an einen kundigen Kollegen.

In dem mit 47 Jahren geschriebenen Werk „De Combustionibus“ fasste Hildanus auf 60 Seiten seine über mehr als 25 Jahre aus erster Hand gesammelten Erfahrungen mit Brandverletzungen zusammen. Die ersten vier Kapitel behandeln Definition, Ursachen, Klassifikation und Therapie. Hier führte er die Einteilung der Verbrennungstiefe in drei Grade ein: „levissimam“ (leicht) mit Blasenbildung, „mediocrem“ (schwerer) mit tiefer Hautschädigung, ohne Brandschorf (Eschar) und „insignem (sehr schwer), mit kompletter Hautzerstörung, Eschar und freiliegenden Muskeln, Gefäßen und Sehnen. Hildanus erkannte bereits, dass durch Infekt oft ein Nachtiefen der Brandwunde eintritt. In weiteren 12 Kapitel widmete er sich Therapierichtlinien je nach Schwere der Verbrennung, sowie speziellen Aspekte bei Beteiligung der Augen, Genitalien und Gelenke. Bei tiefen zirkulären Verbrennungen führte er Entlastungsschnitte und damit wohl die erste Escharotomien durch. Zur Korrektur von Narben wandte er chirurgische Inzisionen mit anschließender Schienung an, Kontrakturen, vor allem an der Hand, dehnte er mit speziellen Traktions-Vorrichtungen auf.

Schlussfolgerungen: Die erste Monographie zur Verbrennungsbehandlung „De Combustionibus“ enthält orginelle, genau und geistreich dargestellte Erkenntnisse und Ideen, die auch 400 Jahre nach ihrem Erscheinen gültig sind. Das überaus vielfältige Werk des Verfassers basiert auf objektiver und undogmatischer Beobachtung, genauer Kenntnis der Anatomie, großer Erfahrung und Erfindungsgabe – er wird mit Recht als „Vater der Deutschen Chirurgie“ bezeichnet.