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26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2008)

06.01. bis 09.01.2008, Engelberg

Die Haut und ihre physiologische und psychologische Bedeutung

Meeting Abstract

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  • L. P. Kamolz - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien
  • A. Titscher - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien
  • M. Frey - Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Universitätsklinik für Chirurgie, Medizinische Universität, Wien

DAV 2008. 26. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. Engelberg, 06.-09.01.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08dav01

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2008/08dav01.shtml

Veröffentlicht: 30. Juni 2008

© 2008 Kamolz et al.
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Gliederung

Text

Die Haut ist für den Körper von äußerst wichtiger physiologischer Bedeutung. Abgesehen von ihren physischen Funktionen ist ihre Bedeutung für die Psyche ebenfalls wesentlich: die Haut ist der Teil von uns, der in Kontakt mit unserer Umwelt steht. Durch unsere Haut erfahren wir die Welt. Gleichzeitig ist sie jedoch auch das Grenzorgan zur Umwelt. Man stelle sich nun vor, was es für einen Menschen bedeutet, wenn diese Haut plötzlich verletzt ist. Die Tatsache, dass der Teil des Körpers, der uns schützt, uns „zusammenhält“, uns mit anderen Menschen verbindet und uns auch als einzigartige menschliche Wesen auszeichnet, verletzt ist und somit keinen Schutz mehr bieten kann, kann bei den Betroffenen Gefühle der Desintegration und einer grundlegenden Bedrohung auslösen.

Bei Brandverletzungen kommt dazu noch die reale Gefahr durch den kritischen Gesundheitszustand, hervorgerufen durch Flüssigkeitsverlust, Infektionsgefahr, Notwendigkeit künstlicher Beatmung, wiederholte chirurgische Eingriffe und vielem mehr. Dies hat wiederum Gefühle der Hilflosigkeit und Todesangst zur Folge.

Da Verletzungen der Körperhülle das äußere Erscheinungsbild der Betroffenen zerstören, leiden sie auch unter Verwirrung und Problemen bezüglich ihrer eigenen Persönlichkeit. Das äußert sich besonders gravierend, wenn sichtbare Teile des Körpers, insbesondere Hände und Gesicht, betroffen sind, da die Selbstwahrnehmung und das Körperbild das Ergebnis eines ständigen Austauschs zwischen uns und unserem sozialen Umfeld sind. Man kann sagen, dass Opfer von Brandverletzungen nicht nur an Desintegration und Problemen bezüglich ihrer Persönlichkeit leiden, sondern auch Ängste um ihren Platz im sozialen Umfeld ausstehen müssen.

Bedenkt man, dass die hauptsächliche psychologische Verletzung hier eine Beschädigung der Körperhülle ist, so ist es nicht überraschend, dass die Heilung lange Zeit in Anspruch nimmt. Während des Krankenhausaufenthaltes heilt die Haut nach und nach und es stellt sich schrittweise wieder ein Gefühl der Stärke und des Wohlbefindens ein.

Wie kann man PatientInnen mit Hautverletzungen am besten helfen?

Wir müssen versuchen, das innere Wohlbefinden der Opfer zu steigern und ihnen dadurch helfen, mit ihrem gegenwärtigen Zustand umgehen zu können. Familie und Freunde, sowie die BehandlerInnen auf der Verbrennungsstation werden die PatientInnen dabei unterstützen.

Das Team der Verbrennungsstation sollte sowohl auf die physischen als auch auf die emotionalen Bedürfnisse der PatientInnen fürsorglich und einfühlsam eingehen, um ihr Wohlbefinden und ihre Individuation wiederherzustellen und so den Heilungsprozess zu fördern.

Ein wesentlicher Teil des Heilungsprozesses ist eine patientenorientierte Behandlung. Eines der wichtigsten Ziele der chirurgischen Behandlung ist ein zum frühestmöglichen Zeitpunkt durchgeführtes, dauerhaftes und mechanisch stabiles Decken der Verbrennungswunde. Aufgrund der Fortschritte bei der Behandlung von Brandverletzungen ist nicht das Überleben allein für das Endergebnis wichtig, sondern auch das Wiedererlangen der Lebensqualität.

In der Vergangenheit wurden bei der Entwicklung von künstlicher Dermis bzw. Epidermis große Fortschritte gemacht. Dadurch können Probleme durch schlechte Hautqualität oder Narbenkontraktion vermieden werden, um ein bestmögliches ästhetisches Ergebnis und optimale Funktion der wiederhergestellten Haut gewährleisten zu können. Eine optimale Rekonstruktion der Haut ist daher ein wesentlicher Faktor bei der Wiedererlangung von Lebensqualität nach Brandverletzungen.

Obwohl die rekonstruktive Chirurgie sich bis heute enorm weiterentwickelt hat, muss man einen Mittelweg finden zwischen Verdrängung, Illusion und Hoffnung begleitet von dem Wunsch nach Verbesserung. Um diesen Mittelweg zu finden, ist ein interdisziplinäres BehandlerInnenteam bei Brandverletzungen von äußerster Wichtigkeit.