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25. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung (DAV 2007)

10.01. bis 13.01.2007, St. Anton am Arlberg

Zugsurfer, Wagondachkletterer und sonstige Freizeitunfälle durch Zugoberleitungen: Retrospektive Untersuchung der letzten 20 Jahre am Universitätsspital Zürich

Meeting Abstract

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  • V. L. Moser - Klinik für Wiederherstellungschirurgie, USZ Zürich
  • S. Milani - Klinik für Wiederherstellungschirurgie, USZ Zürich
  • W. Kuenzi - Klinik für Wiederherstellungschirurgie, USZ Zürich
  • P. Giovanoli - Klinik für Wiederherstellungschirurgie, USZ Zürich

DAV 2007. 25. Jahrestagung der deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Verbrennungsbehandlung. St. Anton am Arlberg, 10.-13.01.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc07dav27

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/dav2007/07dav27.shtml

Veröffentlicht: 25. Juni 2008

© 2008 Moser et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Starkstromverbrennungen sind vor allen bei Jugendlichen sehr häufig durch Zugoberleitungen verursacht. In jugendlichem Leichtsinn – oder auch unter Alkohol- oder Drogeneinfluss – werden oft die Dächer von Eisenbahnwaggons erklimmt und dadurch entsteht entweder ein Flammenbogen oder es kommt zu einer Starkstromverletzung, wodurch die Opfer nicht selten zusätzlich aus einigen Metern Höhe zu Boden geschleudert werden. Abhängig vom Unfallmechanismus und den Begleitverletzungen resultiert ein differenziertes Morbiditäts- und Mortalitätsschema.

Patienten und Methode: Es wurde eine retrospektive Untersuchung (Zeitraum 1983 bis 2006) durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte sowohl aus der Durchsicht der Krankengeschichten als auch durch telefonischen Kontakt mit den ehemals stationären Patienten. Spezielles Augenmerk wurde auf die Indikationsstellung zur Fasziotomie, die Amputationsrate, die Defektdeckung (durch lokale bzw. freie Lappenplastik) und auf allfällige Begleitverletzungen gelegt.

Ergebnisse: Insgesamt konnten 19 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 17,9 Jahren (13 bis 23 Jahre) in die Studie eingeschlossen werden. Die Letalität betrug 22% (4 Patienten, zwischen 4 und 20 Tage posttraumatisch, median 9,8 Tage). Der stationäre Aufenthalt an unserer Klinik betrug im Mittelwert 38,4 Tage (20 bis 109 Tage). Bei 12 Patienten (66%) wurde primär eine Fasziotomie durchgeführt. Die Anzahl der Gesamtoperationen betrug im Schnitt 6,8 (1–17 Operationen). Bei 3 Patienten musste eine Mikroamputation (Zehen), bei zwei Patienten eine Makroamputation durchgeführt werden. Bei 4 Patienten erfolgten Defektdeckungen mit mikrovaskulären, freien Lappenplastiken, zweimal wurden die Stromeintrittsstellen am Occiput mit lokalen Lappenplastiken verschlossen. Die Verteilung auf Wochentage war wie folgt: Montag (1x), Dienstag (1x), Donnerstag (1x), Freitag (2x), Samstag (4x), Sonntag (7x).

Schlussfolgerung: Starkstromverletzungen, welche durch Oberleitungen der Eisenbahn bedingt sind, stellen ein schwerwiegendes Trauma dar. Pulmonale Komplikationen sind die häufigsten Todesursachen. Zum Verschluss der Haut bzw. Weichteile müssen neben Hauttransplantationen auch lokale und freie mikrovaskuläre Lappenplastiken durchgeführt werden.