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Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (ADANO)

22.10.-23.10.2009, Koblenz

Mechanische Eigenschaften des Steigbügels und deren Bedeutung für unser Gehör

Meeting Abstract

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  • corresponding author presenting/speaker Alexander Huber - Universitätsspital Zürich, Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, Zürich, Schweiz

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO. Koblenz, 22.-23.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09adano21

DOI: 10.3205/09adano21, URN: urn:nbn:de:0183-09adano213

Veröffentlicht: 23. Oktober 2009

© 2009 Huber.
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Gliederung

Text

Die akustisch ausgelösten Bewegungen des Steigbügels wurden erstmals Ende der 50-iger Jahre durch Georg von Bekesy Untersucht. Er konnte zeigen, dass der Steigbügel beim Übertragen von hörbaren Tönen komplexe Bewegungen ausführt. Seither konnten diese Erkenntnisse bestätigt und verfeinert werden. Es stellte sich die Frage, welche Auswirkungen solche komplexen Bewegungen auf das Gehör haben könnten. Gemäss der gängigen Theorie des Hörens ist die Druckdifferenz zwischen dem ovalen und runden Fenster der effektive Stimulus für das Hören. Somit können solche Kipp-Bewegungen, welche keine Druckänderung bzw. Volumenverschiebung in einer gewissen Distanz vom Steigbügel bewirken, keinen Höreindruck übertragen und stellen lediglich verlorene Energie dar. Da die Stapesfussplatte das Interface zwischen der akustischen Umgebung und der Cochlea darstellt, ist das Wissen um dessen Übertragungseigenschaften sehr bedeutend für das grundsätzliche Verständnis des Hörens. Dies hat einerseits einen Einfluss auf die Grundwissenschaften und die mathematische Modellierung des Gehörs. Insbesondere aber hat diese Erkenntnis auch eine klinische Relevanz in Bezug auf Entwicklung von aktiven und passiven Mittelohrprothesen, sowie auf rekonstruktive chirurgische Techniken. Es war das Ziel dieser Arbeit die gängige Hypothese des Hörens im Meerschweinchenmodell zu testen. Es war dazu die Konstruktion eines 3-dimensionalen mechanischen Stimulators mit entsprechenden Ankopplungsmöglichkeiten an den Steigbügel notwendig, welcher durch ein geschlossenes Computer-Feedback-System und ein 3-dimensionales Laserdoppler- Messsystem beliebige Steigbügelbewegungen im Raum realisieren konnte. Die Resultate zeigten schliesslich qualitativ, dass auch komplexe Bewegungen der Steigbügelfussplatte Schall übertragen können und somit Druck nicht der einzig effektive Stimulus für die Cochlea darstellt. Daher muss die gängige Hypothese des Hörens erweitert werden. Das nächste Ziel unserer Forschungsgruppe ist es nun die gefundenen Effekte zu quantifizieren. Dazu entwickeln wir effektivere Stimulationsmethoden die mit höherer Präzision steuerbar sind und Messmethoden mit besserem Signal-Rausch Verhältnis.