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Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (ADANO)

22.10.-23.10.2009, Koblenz

Stationäre evozierte Potentiale des auditorischen Systems

Meeting Abstract

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Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO. Koblenz, 22.-23.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09adano15

DOI: 10.3205/09adano15, URN: urn:nbn:de:0183-09adano156

Veröffentlicht: 23. Oktober 2009

© 2009 Mühler.
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Text

Die moderne klinische Audiologie verfügt mit den evozierten Potentialen des auditorischen Systems und den otoakustischen Emissionen über zwei hoch entwickelte Werkzeuge zur objektiven Beurteilung des Hörvermögens. Obwohl beide Verfahren intensiv erforscht und klinisch erprobt wurden, sind die zurzeit verfügbaren Lösungen für einzelne Einsatzfelder nach wie vor unbefriedigend. Obwohl eine objektive, von der Mitwirkung des Patienten unabhängige Bestimmung der Hörschwelle für verschiedene Reizfrequenzen sowohl mit Hirnstammpotentialen und kortikalen Potentialen als auch mit Verzerrungsprodukten otoakustischer Emissionen (DPOAE) möglich ist, sind den Möglichkeiten einer Weiterentwicklung dieser Techniken prinzipielle physiologische und signaltheoretische Grenzen gesetzt.

Die seit einigen Jahren wieder verstärkt im Fokus der audiologischen Forschung stehenden stationären Potentiale des auditorischen Systems (Auditory steady-state responses – ASSR) unterscheiden sich in einigen Eigenschaften prinzipiell von den seit vielen Jahrzehnten in der Audiologie benutzten transienten Potentialen. Insbesondere die Möglichkeiten, diese Potentiale mit einem komplexen Reizmuster simultan bei bis zu vier Frequenzen für beide Ohren auszulösen und mit modernen statistischen Tests nachzuweisen, haben Hoffnungen auf die schnelle Verfügbarkeit eines neuen effizienten Werkzeugs für die klinische Audiologie geweckt.

Unabdingbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz der ASSR in der Klinik ist eine umfassende und exakte Charakterisierung der Eigenschaften stationärer Potentiale des auditorischen Systems. Im Vortrag werden einige dieser Eigenschaften anhand eigener Messungen dargestellt. Dabei wird die Auswirkung der interindividuellen Variabilität von ASSR- und EEG-Amplitude auf die Entwicklung klinischer Hörprüfmethoden auf Grundlage der ASSR näher beleuchtet. So variiert die Messzeit bis zum Erreichen eines statistischen Nachweiskriteriums zwischen einzelnen Testfrequenzen bereits bei Normalhörenden beträchtlich. Um die Vorteile der ASSR, die simultane Bestimmung der Hörschwelle für beide Ohren bei bis zu vier Frequenzen, zukünftig auch bei pathologischen Hörschwellenverläufen effektiv nutzen zu können, sind grundlegende technisch-methodische Probleme zu lösen. Dabei erlaubt die geringe Bandbreite der einzelnen Frequenzkomponenten des ASSR-Reizes die Konstruktion von multifrequenten Reizen mit Pegelmustern, welche dem konkreten Hörverlust adaptiv angepasst werden können.