gms | German Medical Science

Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (ADANO)

22.10.-23.10.2009, Koblenz

Bedeutung der Schwindeldiagnostik für die Praxis des niedergelassenen Hals-Nasen-Ohren-Arztes

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • corresponding author Dirk Heinrich - Deutscher Berufsverband der HNO- Ärzte e.V, Hamburg, Deutschland

Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Herbsttagung aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der ADANO. Koblenz, 22.-23.10.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09adano08

DOI: 10.3205/09adano08, URN: urn:nbn:de:0183-09adano083

Veröffentlicht: 23. Oktober 2009

© 2009 Heinrich.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Als Schwindel bezeichnet man entweder eine unangenehme Störung der räumlichen Orientierung oder die fälschliche Wahrnehmung einer Bewegung des Körpers, wie Drehen und Schwanken und/oder der Umgebung. Schwindel stellt eines der häufigsten Leitsymptome in der ärztlichen Praxis dar. Die Lebenszeitprävalenz beträgt etwa 20 bis 30%.

Da die Betroffenen häufig eine Vielzahl von Arztpraxen aufsuchen, erscheint es sinnvoll, dass sich die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte als diejenigen, in deren Fachgebiet sich das zentrale Gleichgewichtsorgan im Innenohr befindet, sich der Schwindeldiagnostik und -therapie voll und ganz annehmen.

Am häufigsten ist der benigne paroxysmale periphere Lagerungsschwindel gefolgt vom phobischen Schwankschwindel, dem zentral vestibulären Schwindel, dem Morbus Ménière und der Neuritis vestibularis.

Wichtige Unterscheidungskriterien sind die Art des Schwindels, die Dauer des Schwindels, die Auslösbarkeit der Schwindelbeschwerden und die Begleitsymptome. Die zentrale Stellung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr ermöglicht es dem Hals-Nasen-Ohrenarzt, mit Hilfe von Anamnese, Hirnnervenprüfung, vestibuspinalem Test, der Frenzelbrille, der thermischen Prüfung sowie Rotations- und Pendeltests, aber auch cervicalen Tests und den neuen diagnostischen Möglichkeiten beim peripher vestibulärem Schwindel eine exakte Diagnose zu stellen oder den entscheidenden Hinweis für die weitere Diagnostik zu geben.

Neben der Audiologie stellt die Neurootologie ein wichtiges Standbein in der Praxis des niedergelassenen Hals-Nasen-Ohren-Arztes dar. Die Abklärung der verschiedenen Formen der Schwerhörigkeit mit Hilfe aller audiologischen Testmöglichkeiten einschließlich der Messung von otoakustischen Emissionen und der Hirnstromableitung (BERA) ist die eine Seite der Neurootologie. Die andere ist die genaue diagnostische Abklärung des Schwindels und dabei insbesondere einer möglichen Schädigung des peripheren vestibulären Organs.

In einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft werden Schwindelbeschwerden weiter zunehmen. Daher macht es Sinn für die Praxis des niedergelassenen Hals-Nasen-Ohren-Arztes, sich um diesen Bereich verstärkt zu kümmern. Diese Hinwendung zu unseren älteren Patienten ist nicht nur aus ethischen Gründen geboten, sondern wird auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten für die HNO-Praxis notwendig sein.

Die Rundum-Versorgung unserer Patienten im Bereich der vier sich in unserem Fachgebiet befindenden Sinne Hören, Riechen, Schmecken und Gleichgewicht, bringt verbesserte Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie, aber auch der betriebswirtschaftlichen Auslastung von hals-nasen-ohren-ärztlichen Praxen. Hierzu bedarf es neben dem Vorhalten der diversen diagnostischen Tests auch einer Kommunikationsstrategie der HNO-Praxis, da vielfach den Versicherten die umfassende Leistungsfähigkeit von HNO-Praxen nicht bekannt ist.