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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Katrin Rockenbauch, Olaf Martin, Ute Kraus, Christina Schröder, Elmar Brähler, Yve Schröder-Richter (Hrsg): Kommunikation in der Medizin – DVD mit Booklet

DVD-Besprechung Humanmedizin

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  • corresponding author Kai P. Schnabel - Universität Bern, Institut für Medizinische Lehre, Abteilung für Unterricht und Medien, Bern, Schweiz

GMS Z Med Ausbild 2012;29(5):Doc64

doi: 10.3205/zma000834, urn:nbn:de:0183-zma0008341

Dieses ist die Originalversion des Artikels.
Die übersetzte Version finden Sie unter: http://www.egms.de/en/journals/zma/2012-29/zma000834.shtml

Eingereicht: 29. November 2011
Überarbeitet: 15. Juli 2012
Angenommen: 16. Juli 2012
Veröffentlicht: 15. November 2012
Veröffentlicht mit Erratum: 27. November 2012

© 2012 Schnabel.
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Bibliographische Angaben

Katrin Rockenbauch, Olaf Martin, Ute Kraus, Christina Schröder, Elmar Brähler, Yve Stöbel-Richter (Hrsg)

Kommunikation in der Medizin

Psychosozial-Verlag, Gießen

Erscheinungsjahr: 2011, DVD mit Booklet

Erhältlich ausschließlich in deutscher Sprache unter http://www.psychosozial-verlag.de


Rezension

Die von K. Rockenbauch et al. sorgfältig zusammengestellten Videobeispiele „Kommunikation in der Medizin“ auf einer DVD sind für den Kommunikationsunterricht in der studentischen medizinischen Ausbildung gedacht. Anhand von 10 Beispielen mit Ärzt/inn/en und Schauspielpatient/inn/en (SP) werden typische Konsultations- und Beratungssituationen gezeigt, die in der ärztlichen Praxis häufig auftreten und relevant für den Alltag sind. Begleitet werden die Beispiele durch ein kleines für den Gebrauch der DVD unverzichtbares Booklet, in dem die Situationen übersichtlich kommentiert und die Nutzungsmöglichkeiten der DVD beschrieben werden.

Die Videoeinstellung auf beide Gesprächspartner von der Seite wirkt sehr gut als Übersicht. Die zwei zusätzlichen Ausschnitte, die permanent mit eingeblendet bleiben, fokussieren sehr nah auf das jeweilige Gesicht. Hier kann man die Gesichtsmimik sehr gut erkennen und nachfolgend diskutieren. Manchmal ist diese Einstellung allerdings suboptimal, da nur die Gesichtsmimik gezeigt wird. Gelegentlich besser wäre eine Sicht über Schulter gefilmt, da dadurch die Identifikation mit der Arzt- bzw. Patientensicht sowie auch die ganze Körpersprache besser zu erkennen wäre.

Die ersten sechs Situationen sind typische Situationen in der allgemeinärztlichen Praxis und adressieren folgende Probleme:

  • Diarrhoe (mit stressbedingter psychischer Komponente),
  • Niedergeschlagenheit/Müdigkeit/Schlafstörungen (bei vordergründig gehäuft auftretenden Mandelentzündungen),
  • Nackenschmerzen (bei Stress),
  • Verdacht auf Diabetes Mellitus Typ II (bei wenig einsichtiger Patientin),
  • Polymorphe Lichtdermatose (Nachfolge der alten Hausärztin) sowie
  • Flatulenz (bei Verdacht auf Milchallergie).

Dann folgen zwei Situationen in denen bei nahezu identischer Ausgangslage (seit zwei Wochen persistierender Husten) zwei verschiedene Modelle des Behandlungsansatzes (krankheits- versus patientinnenzentriert) demonstriert werden mit jeweils einem Auswertungsgespräch mit der SP, wie sie das Gespräch erlebt hat.

Abgeschlossen werden die Beispiele mit einem präoperativen Aufklärungsgespräch vor Tonsillektomie bei der Tochter bei einer durch das Internet vorinformierten Mutter und dem Überbringen einer schlechten Nachricht (Rezidiv eines Mamma CAs).

Die Gesprächssituationen wirken durchweg authentisch und exemplarisch für dahinter stehende häufige problematische Kommunikationssituationen. Die spielenden Ärzte und Ärztinnen sind empathisch jedoch tendenziell eher paternalistisch-direktiv. Sie sind als positive Rollenmodelle daher nur bedingt für das Selbststudium geeignet (z.B. wenig vorbildhafte Demonstration zum Motivational Interviewing nach Rollnick), da hier potentiell problematisches Gesprächssituationen vorgespielt werden, die mit den Studierenden kritisch reflektiert werden müssen. Hingegen sind die Beispiele im Kleingruppenunterricht mit Kommunikationsspezialisten sehr gut geeignet, das Verhalten, wie es in Arztpraxen sehr verbreitet ist, zu analysieren und gemeinsam Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und ggf. in Rollenspielen und oder mit Schauspielpatienten zu üben. Bei fast allen Situationen wird nur die Gesprächs- und nicht die Untersuchungssituation gezeigt. Dies ist ein wenig schade, da auch während der Untersuchung Kommunikation stattfindet und durch das Ausblenden die Gefahr besteht, dass Kommunikation getrennt von der Untersuchung gesehen, gelernt und auch gelebt wird. Positiv hervorstechend als Rollenmodell ist das Beispiel des Überbringens einer schlechten Nachricht mit einem vorbildhaft geführtem Gespräch nach dem SPIKES Modell nach Baile et al., welches auch im Booklet zitiert wird.

Rundum sicherlich eine lohnende Anschaffung für den Kommunikationsunterricht, der –nicht nur wenn keine Simulationspatienten mit einstudierten Rollen zur Verfügung stehen - durch die gezeigten Beispiele bereichert werden und an Authentizität gewinnen kann. Die Beispiele bieten eine Fülle an Diskussionspotential über Kommunikation in der ärztlichen Betreuung für den Kleingruppenunterricht aber auch um Vorlesungen durch Beispiele zu ergänzen, die dann entsprechend kommentiert werden können.


Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass er keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel hat.


Erratum

Der Titel wurde zunächst mit "...Booklets" angegeben.