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GMS Zeitschrift für Medizinische Ausbildung

Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA)

ISSN 1860-3572

Förderung der Familienfreundlichkeit an der Medizinischen Fakultät Freiburg – Bilanzen der Studienteilnahme

Kommentar Humanmedizin

  • author Sabine Binninger - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Studiendekanat Humanmedizin, Freiburg, Deutschland
  • corresponding author Peter Brüstle - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Studiendekanat Humanmedizin, Freiburg, Deutschland
  • author Rudolf Korinthenberg - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Studiendekanat Humanmedizin, Freiburg, Deutschland
  • author Irmgard Streitlein-Böhme - Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Studiendekanat Humanmedizin, Freiburg, Deutschland

GMS Z Med Ausbild 2012;29(2):Doc18

doi: 10.3205/zma000788, urn:nbn:de:0183-zma0007887

Dieses ist die Originalversion des Artikels.
Die übersetzte Version finden Sie unter: http://www.egms.de/en/journals/zma/2012-29/zma000788.shtml

Eingereicht: 18. August 2011
Überarbeitet: 8. September 2011
Angenommen: 8. November 2011
Veröffentlicht: 23. April 2012

© 2012 Binninger et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Zusammenfassung

Die Ulmer Studie zur Familienfreundlichkeit identifiziert für die Medizinische Fakultät in Freiburg Verbesserungsbedarf in verschiedenen Punkten. Die Vereinbarkeit von Familie und Studium gestaltet sich aufgrund der spezifischen Struktur des Medizinstudiums sowie der Vielzahl an Pflichtveranstaltungen als schwierig. Als überwiegend positiv bewerten die Befragten hingegen die bestehende Blockstruktur im zweiten Studienabschnitt. Um die Situation Studierender mit Kindern zu verbessern, ist aus Sicht der Befragten eine Flexibilisierung der Studienstruktur sowie ein Ausbau der Informations- und Beratungsangebote wünschenswert.

Die Umfrageergebnisse bestärken die Medizinische Fakultät Freiburg darin, im Zuge der gegenwärtigen Curriculumsentwicklung die Blockstruktur in den letzten beiden Studienjahren zu erhalten. Spezifische Informationsangebote sollen die Studierenden mit Beratungsbedarf gezielt unterstützen (z.B. im Hinblick auf Kinderbetreuungseinrichtungen oder die Studienplanung). Um eine Flexibilisierung des Studienangebots zu erreichen, setzt die Fakultät zudem auf den verstärkten Einsatz von E-Learning-Angeboten.

Schlüsselwörter: Medizinstudium, Vereinbarkeit von Familie und Studium, Studienplanung


Zusammenfassung der Studienergebnisse für die Fakultät Freiburg

Die landesweite Studie des Universitätsklinikums Ulm zur Familienfreundlichkeit im Medizinstudium ergibt aus Sicht der Befragten ein uneinheitliches Meinungsbild für die Fakultät Freiburg. Einerseits werden einzelne für Freiburg spezifische Punkte von den Interviewten durchaus gelobt, beispielsweise die durch die Blockstruktur im zweiten Studienabschnitt entstandene Flexibilität seit Einführung der Neuen Approbationsordnung 2004. Gleichzeitig mahnen die Studierenden jedoch in einigen Bereichen Verbesserungen an. Denn Medizinstudium und Kinderbetreuung organisatorisch unter einen Hut zu bringen stellt für viele der Befragten, nicht zuletzt wegen der Besonderheiten des medizinischen Curriculums, eine Herausforderung dar.

In Schulnoten ausgedrückt wird die Familienfreundlichkeit der Fakultät von den Befragten durchschnittlich mit 3,5 bewertet. Mit diesem Ergebnis liegt Freiburg, wie auch Tübingen und Heidelberg landesweit im Mittelfeld. Rund drei Prozent der Studierenden in Freiburg haben Kinder. Wie in den anderen Fakultäten im Lande fällt auf, dass viele der studierenden Eltern (60%) vor dem Studium schon eine andere Berufsausbildung absolviert haben. Das Durchschnittsalter der Studierenden mit Kind beträgt knapp 30 Jahre und insgesamt über 90% der Befragten sind verheiratet oder leben in einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]). Finanzielle Probleme spielen insgesamt gesehen eine geringere Rolle als zeitliche Aspekte der Vereinbarkeit von Studium und Kinderbetreuung.

Für einen großen Teil der Befragten (71%) bestehen offensichtlich Probleme, Medizinstudium und Familie in Freiburg zu vereinbaren, dies gilt für den vorklinischen Studienabschnitt (82%) sowie, wenn auch nicht so ausgeprägt, für den klinischen Studienabschnitt (68%). Als nachteilig für die Vereinbarkeit in Freiburg werden vor allem die Anzahl der Pflichtkurse, die vielen Nachmittagsveranstaltungen, der relativ starre Stundenplan sowie die Ballung von Prüfungen in einem kurzen Zeitraum am Semesterende (Klausurenwoche) empfunden. Aufgrund der Struktur des Medizinstudiums sind dies Probleme, die natürlich auch an den anderen Standorten beanstandet werden, allerdings scheinen sie laut Umfrage in Freiburg besonders stark ausgeprägt zu sein. Als mehrheitlich positiv werden dagegen die überwiegende Blockstruktur sowie die flexible Gruppeneinteilung im zweiten Studienabschnitt bewertet. Ebenso werden verschiedene Sonderlösungen für Studierende mit Kindern als positiv hervorgehoben, etwa die Berücksichtigung der Ortspräferenz bei der PJ-Platzvergabe.

Um die Situation von studierenden Eltern zu verbessern wird in erster Linie eine möglichst individuelle und flexible Stundenplangestaltung gewünscht. Ein Großteil der Befragten spricht sich außerdem dafür aus, dass Pflichtkurse hauptsächlich am Vormittag stattfinden, die Vorlesungen also eher nachmittags angeboten werden sollten. Desweiteren wird zur besseren Planbarkeit eine möglichst frühzeitige Bekanntgabe der Kurseinteilung und Stundenpläne für die einzelnen Fächer gewünscht. Und schließlich wird eine Ausnahmeregelung für die Kompensation von Fehlzeiten aufgrund von Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung, vor allem im Krankheitsfall des Kindes, angeregt. So sprechen sich 90% der Befragten für eine Flexibilisierung der Anwesenheitspflicht aus, 71% für das Nachholen von Fehlterminen oder Prüfungsleistungen und 93% der Befragten halten die Einführung eines Elternpasses für sinnvoll. Eine solche Einführung wurde bereits im letzten Jahr von den Medizinischen Fakultäten in Ulm und in Frankfurt am Main geplant. Mit dem Elternpass „können Dienstleistungen für Familien in Anspruch genommen werden. Außerdem kann bei Konfliktsituationen im Lehrbetrieb ein Elternpass helfen, die Rechte der studierenden Eltern zu bekräftigen“ [1].

Die Auswertung der Ergebnisse erbrachte ferner, dass von Seiten der Befragten in einigen Punkten großer Beratungsbedarf besteht (z.B. bezüglich der Studienplanung, der Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder eines Teilzeitstudiums). Allerdings fällt gleichzeitig auf, dass nur ein geringer Teil der Befragten (31%) tatsächlich eine Beratung zur Studienorganisation im Studiendekanat in Anspruch genommen hat. Demgegenüber würden 71% eine individuelle Studienberatung zur Studienorganisation mit Kind in Anspruch nehmen, 70% der Befragten wusste nicht, dass es ein derartiges Angebot gibt. Hier wird klar ersichtlich, dass in Zukunft von Seiten des Studiendekanats noch deutlicher auf die bestehenden Beratungsmöglichkeiten hingewiesen werden muss. Als häufigste Wünsche wurden von den Studierenden eine entsprechende Informationsbroschüre, eine eigens ausgewiesene Beratungsstelle sowie vernetzte Beratungen der verschiedenen Stellen innerhalb der Universität genannt.

Letztendlich werden auch die nicht ausreichend vorhandenen Kinderbetreuungsplätze sowie die sehr starren und unzureichenden Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen innerhalb der Universität beanstandet.


Struktur des Freiburger Medizinstudiums

Die Mindestanzahl der Pflichtkurse ist durch die ärztliche Approbationsordnung (ÄAppO) festgelegt und fällt im Gegensatz zu anderen Studiengängen entsprechend sehr hoch aus [2]. Neben einer großen Menge an theoretischem Wissen sind für den zukünftigen Arztberuf sehr viele unterschiedliche praktische Fertigkeiten und ein hohes Maß an sozialen Kompetenzen zu erwerben. Diese umfangreichen Anforderungen schlagen sich in einem sehr zeitintensivem Curriculum (gemäß ÄAppO) nieder. Eine Vereinbarkeit von Familie und Medizinstudium ist daher grundsätzlich als schwierig einzustufen. Dennoch ist die Anzahl der Pflichtkurse im Freiburger Curriculum höher als in der ÄAppO vorgeschrieben. Das Studiendekanat ist derzeit bemüht, in der geplanten Curriculumsänderung darauf hinzuwirken, die Anzahl der Pflichtstunden insgesamt zu reduzieren. Die angebotenen Vorlesungen sind in der Regel fakultativ.

Der Aufbau des Freiburger Curriculums im ersten und zweiten Studienabschnitt ist bis auf wenige Ausnahmen so strukturiert, dass vormittags die Hauptvorlesungen und nachmittags Kurse und Praktika angeboten werden. Dies stellt für Studierende mit Kindern laut der vorliegenden Untersuchung ein großes Problem dar, insbesondere da die Hauptbetreuungszeiten der Kinder nur bis in die frühen Nachmittagsstunden reichen und Kurse und Praktika in einigen Fällen bis in die Abendstunden gehen. Das Studiendekanat in Freiburg nimmt diese Problematik für Studierende mit Kindern sehr ernst. Es ist jedoch noch nicht gelungen, gemeinsam mit den Instituten und Kliniken, Lösungen zu erarbeiten, die allen Beteiligten gerecht werden. Tagesablauf und Klinikalltag sind seit Jahren so organisiert, dass die Patientenversorgung bzw. die Routineabläufe vorwiegend vormittags ablaufen und damit ein gleichzeitiger Kleingruppenunterricht nicht möglich ist. Sicherlich wird dabei auch auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern Rücksicht genommen, die ebenfalls als Kernarbeitszeit den Vormittag bevorzugen.

Da eine Verlegung der Hauptvorlesungen ebenfalls schwierig erscheint, priorisiert das Studiendekanat die Möglichkeit, in Zukunft mehr Vorlesungen online als Video-Podcast zur Verfügung zu stellen, um somit einen zeitlich flexiblen Zugriff auf diese Lehrveranstaltungen zu ermöglichen. Ob langfristig zeitgleich einzelne Kurse und Praktika für Studierende mit Kindern vormittags angeboten werden können, wird sicherlich im Rahmen der Implementierung des neuen Curriculums geprüft werden.

Mit Inkrafttreten der neuen Approbationsordnung hat sich die Medizinische Fakultät Freiburg für die Einführung von Blockunterricht im zweiten Studienabschnitt entschieden. Dies hat zum einen den Vorteil, dass die einzelnen Blöcke gut miteinander kombiniert und gegeneinander ausgetauscht werden können. Zum anderen können beliebig viele Kurse gewählt werden und mit Kinderbetreuung, Promotion oder sonstigen Verpflichtungen vereinbart werden.

Ein Nachteil der Blockstruktur liegt jedoch darin, dass alle Lehreinheiten eines Faches in einem kurzen Zeitraum angeboten werden müssen. Dadurch ergibt sich ein starrer, unflexibler Stundenplan mit wenig Spielräumen. Viele Fächer bemühen sich, Studierenden mit Kindern Wechselmöglichkeiten anzubieten, was aber nicht immer gelingt, insbesondere dann nicht, wenn die Wünsche kurzfristig geäußert werden.

Sowohl das Winter- als auch das Sommersemester umfasst in Freiburg für den klinischen Studienabschnitt insgesamt 14 Wochen. Daran schließen sich jeweils eine Lernwoche sowie eine Klausurenwoche an. Die extreme Belastung der Studierenden in der Klausurenwoche (in der Regel mit 6 bis 8 Klausuren in einer Woche) wurde in der Vergangenheit bereits dahingehend modifiziert, dass auch die Lernwoche für die notwendigen Prüfungsklausuren zur Verfügung steht. Darüber hinaus schreiben viele der „kleinen Fächer“ die Klausuren direkt im Anschluss an ihren Blockunterricht während des Semesters. Der Trend, „kleine Fächer“ direkt nach dem Blockunterricht abzuprüfen, wird vom Studiendekanat nachdrücklich unterstützt.

Die Anwesenheiten bzw. der regelmäßige Besuch einer Lehrveranstaltung und eventuelle Kompensationsmöglichkeiten für Fehlzeiten sind grundsätzlich in der Freiburger Studienordnung geregelt.

„Der regelmäßige Besuch einer Lehrveranstaltung ist gegeben, wenn die/ der Studierende jeweils mindesten 85 % der gesamten Unterrichtszeit anwesend war. Wird die Fehlzeit von 15 % aus von der/ von dem Studierenden nicht zu vertretenden Gründen überschritten, so entscheidet die Leiterin/ der Leiter der Lehrveranstaltung im Einvernehmen mit der Studiendekanin/ dem Studiendekan über eine Kompensation der Fehlzeit“. [3]

Diese Formulierung wurde bewusst so gewählt, dass die persönlichen Umstände der Studierenden berücksichtigt werden können. Es liegt damit im Ermessen eines jeden Faches, wann Lehrveranstaltungen nachgeholt oder durch Kompensationsleistungen erbracht werden können.

Bei der Kompensation von praktischen Studienleistungen gilt es insbesondere zu beachten, dass im Medizinstudium – anders als z.B. bei den Geisteswissenschaften – speziell der hohe praktische Anteil nicht durch andere Leistungen wie z.B. Referate oder Hausarbeiten kompensiert werden kann. Die erfolgreiche Teilnahme der praktischen Pflichtveranstaltungen ist im Sinne künftiger Patienten für die Studierenden unbedingt notwendig.


Diskussion der Ergebnisse und Ausblick

Den Tenor der Erhebung des Universitätsklinikums Ulm bestätigt eine vom Kompetenzzentrum Lehrevaluation in der Medizin Baden-Württemberg im WS 2008/09 durchgeführte Befragung zur Studien- und Lebenssituation der Medizinstudierenden in Freiburg [4]. 32% der Studierenden mit Kindern gaben dabei an, dass für sie durch die Kinderbetreuung studienbezogene Probleme entstehen. Auch hier wurde die zeitliche Vereinbarkeit von Studium und Kinderbetreuung als eine besondere Herausforderung für Studierende mit Kind identifiziert. Dem Bedürfnis der Befragten nach einer flexiblen und individuellen Gestaltung des Studiums steht die relativ festgelegte Studienstruktur im Medizinstudium entgegen.

Der nachvollziehbare Wunsch der Studierenden mit Kindern nach einer individuellen und flexiblen Stundenplangestaltung kann aufgrund der hohen Studierendenzahlen nicht immer erfüllt werden, obwohl im Studiendekanat die vorrangige Einteilung von studierenden Müttern und Vätern praktiziert wird. Eine strukturelle Verbesserung wäre sicher die Installation einer entsprechenden Stundenplansoftware, mit der sich mehr Wünsche der Studierenden verwirklichen lassen als mit der herkömmlichen manuellen Einteilung. Hierzu wäre es jedoch erforderlich, dass die Fächer einer zentralen Stundenplanerstellung zustimmen.

Das Ergebnis der Ulmer Studie wies überraschenderweise auf ein Informationsdefizit über das Beratungsangebot innerhalb des Studiendekanates bezüglich der Studienplanung für Studierende mit Kindern hin. Auf dieses Beratungsangebot wird im Rahmen der jeweiligen Einführungsveranstaltungen zu Beginn des 1. vorklinischen sowie des 1. klinischen Semester ausdrücklich hingewiesen. Da dies nicht ausreichend erscheint, werden in Zukunft die bestehenden Beratungsangebote im Rahmen der einführenden Power-Point-Präsentation visuell besser aufbereitet. Daneben wird, angeregt durch die Ergebnisse der Befragung zur Familienfreundlichkeit, zeitnah eine Website mit Informationsangeboten speziell für Studierende mit Kindern auf der Homepage des Studiendekanates eingerichtet. Sie wird alle Angebote des Studiendekanates sowie notwendige Querverweise zur Medizinischen Fakultät sowie zur Universität beinhalten. Darüber hinausgehende Leistungen, wie zum Beispiel die Aufgaben einer Koordinationsstelle oder eines Sozialdienstes für die Belange Studierender mit Kind können vom Studiendekanat mit dem bisher vorhandenen Personalstand allerdings nicht geleistet werden.

Ähnlich verhält es sich mit der Einführung eines Elternpasses. Hierbei würden Personal- und Sachkosten entstehen, die das derzeitige Finanzvolumen des Studiendekanates übersteigen.

Insgesamt ist die Medizinische Fakultät sehr bemüht, die Studienbedingungen für Studierende mit Kindern zu verbessern. Doch steht derzeit nur eine unzureichende Anzahl von Kinder- und Kleinkindbetreuungsplätzen von Seiten der Universität sowie vom Universitätsklinikum zur Verfügung. Für die Zukunft wäre es sicher erstrebenswert, mit entsprechenden Angeboten von Universität und Universitätsklinikum diesen Engpässen entgegenzuwirken – vor allem im Hinblick auf die steigende Zahl der Medizinstudentinnen (60 bis 70% der Gesamtkohorte). Ein erster Erfolg in dieser Hinsicht wurde durch die Gleichstellungsbeauftragte der Medizinischen Fakultät erreicht. Neuerdings kann ein Stillraum in der Frauenklinik für Kinder unter 6 Monaten auch von Medizinstudentinnen genutzt werden.


Fazit

Da das Kompetenzzentrum Lehrevaluation in der Medizin Baden-Württemberg bereits im WS 2008/2009 eine Befragung zur Studien- und Lebenssituation der Freiburger Medizinstudierenden durchgeführt hatte, war die Medizinische Fakultät in Freiburg über die Ergebnisse der Ulmer Studie zur Familienfreundlichkeit im Medizinstudium nicht überrascht. Kamen doch einige der Probleme bereits in der Freiburger Befragung zum Vorschein. Damit wurde frühzeitig das Bewusstsein für die derzeitige Situation Studierender mit Kindern gestärkt.

Die bestehende überwiegende Blockstruktur und die flexible Gruppeneinteilung im klinischen Studienabschnitt sowie die Vorteile bei der PJ-Platzvergabe, die allesamt bereits im Rahmen der Neuen Ärztlichen Approbationsordnung von 2004 eingeführt wurden, erhielten von den Studierenden in der Ulmer Befragung zur Familienfreundlichkeit eine entsprechend positive Beurteilung.

Diese Umfrageergebnisse haben die Medizinische Fakultät auch darin bestärkt, im Rahmen der aktuellen Curriculumsentwicklung des Studiengangs Humanmedizin nach einer konsequenten Basisausbildung in Theorie und Praxis im 1. klinischen Studienjahr in den beiden letzten klinischen Studienjahren die bewährte Blockstruktur beizubehalten, um die bisherige Flexibilität der Studierenden zu gewährleisten.

Darüber hinaus wurde die bestehende Informationsstrategie des Studiendekanates im Hinblick auf Studierende mit Kindern reflektiert. Diese soll nachhaltig verbessert werden, um den Studierenden den Zugriff zu Informationen zu erleichtern. Als Basis soll zukünftig eine Internetseite mit gezielten Informationen und Beratungsangeboten für Studierende mit Kindern auf der Homepage des Studiendekanates eingerichtet werden. Auch auf die schon bestehenden Beratungsmöglichkeiten im Studiendekanat muss künftig deutlicher hingewiesen werden, da laut der Umfrage gerade in diesem Bereich ein Informationsdefizit besteht.

Es bleibt aber das Problem der nicht vorhandenen personellen Ressourcen im Studiendekanat. Und bei der überaus großen Studierendenzahl von ca. 2200 Studierenden im Studiengang Humanmedizin sowie einem Anteil von 60 – 70% weiblichen Studierenden mit der Tendenz zu weiterem Anstieg wird sich diese Problematik in den nächsten Jahren eher noch verstärken. Daher ist es zwingend erforderlich, sich über etwaige Lösungsmöglichkeiten heute schon Gedanken zu machen.


Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass sie keine Interessenkonflikte im Zusammenhang mit diesem Artikel haben.


Literatur

1.
Liebhardt H, Fegert JM, Dittrich W, Nürnberger F. Medizin studieren mit Kind – ein Trend der Zukunft? Dtsch Arztebl. 2010;107(34-35):1613-1614.
2.
Bundesministerium für Gesundheit. Approbationsordnung für Ärzte. 9. Novelle der Approbationsordnung für Ärzte, § 27. Bundesgesetzbl. 2002;1(44). Zugänglich unter/available from: http://www.approbationsordnung.de/ Externer Link
3.
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Studienordnung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg für den Studiengang Humanmedizin. Amtl Bekanntmachr Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 2011;42(5):9-23.
4.
Brüstle P, Biller S, Giesler M. Studien- und Lebenssituation von Medizinstudierenden an der Universität Freiburg. Z Hochschulent. 2011;6(2):143-158. Zugänglich unter/available from: http://zfhe.at/index.php/zfhe/article/view/239/356 Externer Link
5.
Niehues J, Prospero K, Fegert JM, Liebhardt H. Familienfreundlichkeit im Medizinstudium in Baden-Württemberg. Ergebnisse einer landesweiten Studie. GMS Z Med Ausbild. 2012;29(2):Doc33. DOI: 10.3205/zma000803 Externer Link