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GMS Mitteilungen aus der AWMF

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)

ISSN 1860-4269

50 Jahre AWMF - Ehrenmedaille für Dr. Rainer Hess

Mitteilung

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GMS Mitt AWMF 2012;9:Doc21

DOI: 10.3205/awmf000269, URN: urn:nbn:de:0183-awmf0002698

Eingereicht: 14. November 2012
Veröffentlicht: 16. November 2012

© 2012 Müller.
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Gliederung

Zusammenfassung

Am 10. November 1962 wurde die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) von 16 Fachgesellschaften in der BG-Unfallklinik Frankfurt/Main gegründet. Auf den Tag genau 50 Jahre später feierten die Delegierten der mittlerweile 163 Mitgliedsgesellschaften der AWMF - wieder in Frankfurt/Main – am 10. November 2012 das 50jährige Bestehen des europaweit größten Dachverbands nationaler wissenschaftlicher Gesellschaften.


Text

Im Rahmen des kleinen Festakts stellte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank-Ulrich Montgomery [Abb. 1], in seinem Grußwort fest, dass AWMF und BÄK in vielen Feldern eng zusammengearbeitet haben und dies auch weiterhin tun; besonders zwei aktuelle Probleme hob er hervor: Einerseits die längst überfällige Anpassung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) an die aktuellen diagnostischen und therapeutischen Verfahren in der Medizin, die nur von den Fachgesellschaften inhaltlich dargestellt werden können. Andererseits sind AWMF und BÄK einig in der Abwehr von Bestrebungen auf EU-Ebene, ärztliche Tätigkeiten und Qualifikationen in Normen festzuschreiben.

Auch der Präsident der Medizinischen Fakultätentages (MFT), Prof. Dr. Heyo K. Kroemer [Abb. 2], betonte die langjährige enge Zusammenarbeit mit der AWMF, da die Dachorganisation der Fachgesellschaften in der Medizin eine wichtige Ergänzung zum Zusammenschluss der medizinischen Fakultäten bilde, insbesondere in Zeiten des strukturellen Wandels an den Universitäten und den großen Veränderungen an den Universitätskliniken durch die Einführung des pauschalen Finanzierungssystems.

In seinem Festvortrag zu „Strukturfragen der Organisation klinischer Forschung“ stellte der Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), Prof. Dr. Peter Meier-Abt [Abb. 3], die Überlegungen vor, die in der Schweiz zur Schaffung einer „Swiss Clinical Trial Organisation (SCTO)“ geführt haben. Die Anforderungen an die Qualifikation klinischer Forscher seien deutlich höher als an die Grundlagenforscher einerseits und die behandelnden Ärzte andererseits – klinische Forscher müssen Kenntnisse und Fähigkeiten aus beiden Bereichen in sich vereinigen und brauchen daher Unterstützung durch Strukturen, die ihnen die Durchführung klinischer Forschung erleichtern oder erst ermöglichen. Er stellte in seinem Vortrag die Lösungsansätze vor, die in der Schweiz an den Universitätskliniken geschaffen wurden, um durch klinische Forschung die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Krankenbehandlung zu bauen.

Zum Anlass des 50jährigen Bestehens der AWMF hatte das Präsidium beschlossen, eine „Ehrenmedaille der AWMF“ zu stiften, mit der die AWMF Persönlichkeiten auszeichnen kann, die sich um die Belange der wissenschaftlichen Medizin, insbesondere der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften und der AWMF, verdient gemacht haben. Das Präsidium beschloss, die erste Ehrenmedaille der AWMF an Dr. Rainer Hess zu vergeben [Abb. 4]. Der amtierende Präsident der AWMF, Prof. Dr. Karl Heinz Rahn, betonte in seiner Laudatio, dass Dr. Hess während seiner beruflichen Laufbahn als Jurist und in seinen Funktionen bei Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und als unabhängiger Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) regelmäßig auch mit der AWMF zusammen gearbeitet hat. Vor allem in seiner zuletzt genannten Funktion habe Dr. Hess immer darauf geachtet, dass die wissenschaftliche Medizin in Entscheidungsprozesse der Selbstverwaltung einbezogen wurde. Es sei insbesondere dem Einfluss von Dr. Hess zu danken, dass bei der letzten Reform des Sozialgesetzbuchs V endlich auch im Gesetz verankert wurde, dass die wissenschaftlichen Fachgesellschaften ein Recht zur Stellungnahme vor Entscheidungen des G-BA haben.

Dr. Hess [Abb. 5] bedankte sich für die Auszeichnung und betonte, dass es ihm eine besondere Ehre sei, als Erster und dann auch noch als Jurist mit der „Ehrenmedaille der AWMF“ ausgezeichnet zu werden. Er erinnerte daran, dass er schon vor knapp 40 Jahren die ersten intensiven Kontakte mit der AWMF hatte: Er wirkte – damals Leiter der gemeinsamen Rechtsabteilung von BÄK und KBV - von Anfang an in dem von der AWMF 1975 gegründeten Arbeitskreis „Ärzte und Juristen“ mit, der sich zu einem wichtigen Forum für den Dialog zwischen Ärzten und Juristen entwickelte. Dort war es möglich, wechselseitiges Verständnis für die Arbeitsweisen beider Seiten zu schaffen: Ärztliches Handeln einerseits, Gesetzgebung und Rechtsprechung andererseits.

Seinen Einsatz für die Verankerung des Stellungnahmerechts der wissenschaftlichen Fachgesellschaften vor Entscheidungen des G-BA begründete er mit seiner Einstellung, dass es immer besser sei, die Wissenschaft vor Entscheidungen einzubeziehen, als sich hinterher konfrontativ mit ihr auseinandersetzen zu müssen. Damit sei aber auch eine Verpflichtung der Fachgesellschaften verbunden, ihr Wissen zur Verfügung zu stellen. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse seien immer eine gute Basis für normative Regelungen.

Zum Abschluss des Festakts blickte der Ehrenpräsident der AWMF, Prof. Dr. Hans Reinauer [Abb. 6], in die vergangenen 50 Jahre des Bestehens der AWMF zurück, erinnerte an einige Präsidien in dieser Zeit und hob einige wichtige Themengebiete (z.B. Förderung der Leitlinienentwicklung bei den Fachgesellschaften, Gründung des elektronischen Portals GMS German Medical Science) hervor. Dem amtierende Präsidenten Prof. Dr. Rahn [Abb. 7] blieb der Ausblick in die Zukunft: Neben der Fortsetzung der Leitlinienarbeit und den Aufgaben zur Koordination von Stellungnahmen der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften sollen die internationalen, insbesondere europäischen Kontakte gestärkt werden. Er hob abschließend besonders hervor, dass sich die AWMF auch weiterhin aktiv für die Verankerung der Wissenschaft in Aus-, Fort- und Weiterbildung einsetzen wird.